Heute: Bouillabaise

Bouillabaisse ist eine Fischsuppe aus der französischen Gewürzhauptstadt Provence. In die Suppe kommen alle bekannten Meeresfische der Ozeane, die an Frankreich grenzen (ohne Gräten) und Meeresfrüchte der Saison. Gekocht wird lange. Der Fisch, der am längsten braucht, um angenehm zu werden, muss als erster in die „Wanne“, zum Beispiel der angriffslustige Knurrhahn oder der Peters Fisch. Am Ende kommen Fischfilets aus der Tiefkühltruhe hinzu, die dem Gericht eine gewisse Kälte verleihen. Anschließend wird bevor das mit den Fischen überhaupt losgeht, in einem Großen Gussheisernern Topf Zwiebeln und Knoblauch in Lebertran angebraten und mit weißem Wein auf seinen typischen Geschmack reduziert. Anschließend wird Fenchel und anderes Gemüse gebeizt, pochiert und geflügelt. Dann hineingegeben.

Am Ende müssen Saftran und andere Gewürze dem gewaltigen Gericht den letzten Schliff verpassen. Danach wird nochmal eine Woche alles gut durcherhitzt und wiederaufgewärmt.

Zur Bouillabaisse serviert man Stangenweinbrot, die gelbe Fischsauce „Rouille“ und Teller mit Löffel. Einem Hochgenuss steht dann nichts mehr im Wege.

Der große Alfons Wurm

Ich hätte gerne folgende Kindheitserinnerung: Wie meine Eltern anlässlich eines Empfangs nebst allerhand anderen anregenden Persönlichkeiten auch den Freund der Familie und ehedemst großen Violinisten Alfons Wurm zu Gast haben, der vor einigen Jahren seine Profession der Gicht wegen weitestgehend aufzugeben und dafür eine Weinbrandkarriere begonnen hatte. Wurm ist also bald schon begeistert und schwingt das eine oder andere virtuose Wort, ganz so wie früher seinen Bogen, lässt sich dann aber nach und nach in einem etwas abseits gelegenen Ohrensessel nieder und geht schließlich in sich. Dann passiert dies: Der Solist des Abends, ein junger, geleckter Mann aus gutem Hause, der die Gesellschaft zuvor mit abgedroschenen und natürlich schlecht gespielten Beethovensonaten gelangweilt hat, will sich, angestachelt von seinen übermütigen Begleitern, einen Spaß erlauben und bittet den offensichtlich volltrunkenen Alfons Wurm, dieser möge ihm doch die große Ehre erweisen, ein paar Zeilen auf seinem Instrument zu spielen, dann könne und werde er fortan mit Stolz erzählen, dass nicht nur sein unvergleichlich musikalischer Urgroßvater, der den hölzernen Schatz einst von einem der renommiertesten Geigenbauern Europas anfertigen ließ und dabei auch die horrendesten Kosten nicht scheute, sondern auch der große Alfons Wurm diese Violine zum Klingen gebracht hätten. Der große Alfons Wurm also erhebt sich, greift langsam nach Instrument und Bogen des Solisten, wankt – gefolgt von den feixenden Laffen – in Richtung der Gesellschaft, bleibt dann plötzlich stehen, neigt sich leicht nach hinten, dann etwas stärker nach vorne, und während dem Solisten voller Grauen, und unfähig, sich zu rühren, schmerzhaft dämmert, was nun geschehen wird, fällt der große Alfons Wurm – mit dem Gesicht voran – der Länge nach zu Boden und es erklingt unter anderem das charakteristische, von einem gedämpften, dissonant-interessanten Akkord begleitete Geräusch einer gründlich zersplitternden Geige.