Blogbuch: Es gibt einen Menschen

Es gibt einen Menschen, mit dem ich hin und wieder telefoniere, obwohl ich kein Freund dieser Kommunikationsform bin und entweder das normale Augengespräch oder das Chatten vorziehe. Telefonieren fehlt das Zusammenspiel von Wort- und Körpersprache, verwirrt zugleich durch die Tatsache, dass der andere klingt, als würde er einem direkt aus allernächster Nähe ins Ohr sprechen, teils auch raunen, bald einsagen. Der Chat hingegen ist eine Schriftkommunikation wie der gute alte Brief, nur ohne lästige Wartezeiten.

Jedenfalls dieser Mensch. Ich rede ja gerne, aber höre auch gerne zu, vor allem ihm. Es ist bis heute mir unklar, ob die Komik seiner Ausführungen seinerseits beabsichtigt​ ist, zumindest wahrnehmend in Kauf genommen wird oder in Wahrheit einfach garnicht passiert. Nach etwas Einleitung beginnt er Monologe, die Erzählungen gleichen, die sich um ihn als zumeist sympathische Hauptfigur drehen. Er sagt solche Dinge wie „interessanterweise hatte ich Recht“. Teils auch detaillierte und doch Wort für Wort einprägsame Schilderungen von Landmassen, Gebäuden und Tieren. Die Erzählungen enden oft mit ungelösten Verstrickungen, die sich aber interessanterweise bequem wie Baumwollkleidung tragen.

Ich will auf diese Telefonate nicht verzichten, und da klingelt es auch schon wieder.

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