In Montevideo

In Montevideo ist mir einmal etwas Seltsames passiert. Montevideo ist die Hauptstadt von Uruguay. Ich war im Barrio Flor der Maroñas auf der Avenida Luis Braille in einem dieser teilmotorisierten Gondeln unterwegs, in denen man mit mehr oder weniger heruntergelassenen Hosen zumeist von einem Ortskundigen zu den einschlägigen lokalen Bauchläden gefahren wird, an denen man kleine scharfe Eselswürste in Bananenblättern zu kaufen hat. Da war ich mitten in einen mir bizarr erscheinenden Umzug hineingeraten; der Gondelfahrer war schon einige Kreuzungen vorher abgesprungen, weshalb ich im Schritttempo durch riesige, bald haushohe Sagengestalten aus Segeltüchern und aufwendigem Maché, teils Meeresungeheuer, bedeutende Politiker, Tanzgruppen, überflüssige, zeitungslesende Hutträger und unheimlich laut spielende Trompetengruppen hindurchknatterte. Ich wagte allein aufgrund der Geräuschkulisse keineswegs, ein fragendes Wort an irgendjemanden zu richten, worum es sich hier wohl handele. Da öffnete sich vor mir ein besonders eindrucksvolles Umzugsgefährt oder fahrendes Wesen, das so eine Art riesiges Yak oder einen südamerikanischen Wasserbüffel darstellen sollte; öffnen in dem Sinne, dass die etwa litfaßgroßen Hinterbeine leicht auseinandergingen und sich ein großes dunkles Arschloch aus einer Art interessanter Wellpappe geformt ein stückweit öffnete und als hätte es jemand so gewollt, nahm meine führerlose Gondel plötzlich gefühlt (!) Fahrt auf – vielleicht wurde der große Büffel aber auch immer langsamer – und ich weiß nicht mehr genau warum, aber schicksalsergeben und auch etwas neugierig beugte ich mich etwas vor. Und mit einem Ruck war mein Kopf schließlich von hinten in den großen Ochsen eingedrungen und alles um mich herum war tiefschwarze Nacht, bis ich einige Tage später von der Feuerwehr von Montevideo den Umständen entsprechend befreit, gerettet wurde und meinen Urlaub sogar fortsetzte, als sei nichts gewesen.

Tagtraum: Ich möchte euch essen

Sechs Menschen verbringen aus Gründen eine Zeit in einer gemeinsamen Wohnung und beratschlagen, wie man die Verpflegung gestaltet. Die ersten fünf haben etwas unterschiedliche Vorstellungen, einigen sich aber im Großen und Ganzen auf gängige Lebensmittel. Dann sagt der sechste: „ich seh das alles etwas anders, ich möchte euch essen.“ Die anderen lachen, runzeln dann die Stirn und beginnen sich furchtbar aufzuregen. Tage- und wochenlange Auseinandersetzungen mit dem Thema folgen, die aber auch von Respekt vor den Wünschen des sechsten Menschen geprägt sind, mit dem man nunmal quasi in einem Boot sitzt. Zwar heißt es teilweise „das können wir uns nicht bieten lassen“, „jetzt ist Schluss“ usw, aber „letzten Endes kann man nicht viel machen“. Der Sechste nickt und beißt etwas von einem Unterschenkel ab, den man ihm schon abgetreten hat.

Blogbuch: Star Wars „de-feminized“

In der Star Wars-Szene tobt nach wie vor ein Shitstorm und immernoch gegen „The Last Jedi“, gegen alle, die daran beteiligt waren, vor allem aber gegen Schauspielerinnen, vom viral gegangenen „De-feminized Fan-Edit“ bis zu monatelangen, brutalen Schmähungen, die zuletzt vor allem die Nebendarstellerin Kelly Marie Tran trafen und wegen denen sie offensichtlich ihre Social Media-Aktivitäten einstellte. Wie bei allen altright-durchsetzten Netzgeschichten sind die Stellungnahmen an Erbärmlichkeit nur schwerlich zu überbieten. Typische Broflake-Kommentareunter Artikeln, die diese irren Attacken thematisieren und kritisieren: „Star Wars ist für mich gestorben, Ende.“ (Prolog) Dann: „Lol, jetzt darf ich als uralt eingesessener Star Wars-Fan schon nicht mehr Star Wars kritisieren“ (Straw Man I), „Natürlich schreien alle gleich buhu Antifeminismus, dabei hasse ich einfach die ganzen und viel zu präsenten Frauenrollen in dem Film“ (Straw Man schlägt zurück), „Das ist schlicht nicht Star Wars, allein, dass man das nicht sagen darf, zeigt schon, dass es stimmt“ (Die Rückkehr des Straw Mans). Usw. Soviele Worte und so unglaublich viel Gehampel, und das alles nur, weil Frauen in einer Saga nicht mehr nur blütenweiße oder halbnackte Prinzessinnen sind. Es ist wirklich nicht zu glauben, aber wir haben 2018 und das ist keine weit entfernte Galaxie.

Blogbuch: Backgammon

Backgammon, ein Spiel, das geschaffen wurde, um Würfel gut hörbbar auf Holz fallen lassen zu können, damit alle denken „ouh, Backgammon. Chapeau. Und so eine edle Ausgabe, richtig oft schon gespielt, ist das gutes Holz? Wir spielen es beiläufig, trotzdem hellwach und vertieft, nimm noch vom Taboulé, ganz schön enorm, Backgammon, Kultur, Spielkultur, unterwegs und doch gespielt, checki schwarz, checki weiß, ich bin geil.“

Ich wär so gern ein Raumfahrer

ch wär so gern Raumfahrer.
Das Fenster leicht hochgedreht,
damit die Dunkelheit draußen bleibt.
Gravitation – heute hier, morgen dort.
Lilane Planeten im Zebraott-Nebel,
ich bin als Raumkapitän am längeren Hebel.
Ich war noch garnicht lange fort,
schon Heimweh. Kassetten zum Einschlafen.
Das Haus der Krokodile, andere Hörspiele.
Ich hab von früher noch viele.
Von innen ist alles außen kälter.
Auf einer Weltraumreise wird man kein Stück älter.
Ich fliege behutsam als wärst du dabei,
dabei magst du Weltraumreisen garnei (nicht)
Vorsicht Koli, ein Zentner Planet.
Jetzt wird es doch langsam spät.
In TomTom ist schon Erde drin,
Landeberechnung, 1 im Sinn.
Aufgesetzt, zugedeckt.
Schon eingeschlafen.