Im Kirchenschiff

Eine Person mit Hasenkopf geht in eine große, dunkle Kirche und befindet sich zunächst im Kirchenschiff. Dann sitzt sie etwas seitlich auf einer der Bänke. Später geht sie seitliche Gänge zu einer Treppe, diese hoch, und noch einige Stufen, verschiedenen Treppen, bis hoch in den Glockenturm. Die gewaltigste Glocke ist in der Dunkelheit pechschwarz. Vorsichtig stellt sich die Hasenperson darunter und mit den langen, hochempfindlichen Ohren kann sie noch hören, wie die Glocke vorgestern abend geläutet wurde. Später schlendert die Glocke, sie hat Arme und Beine, durch mittelalterliche Gassen und hat dabei einen großen, „gewirbelten“ Lolli in der Hand. Da muss die Glocke einmal kräftig niesen, weil ein Härchen vom Ohr der Hasenperson von vorhin sich etwas über dem Klöppel verfangen hat. Die ganze nächtliche Stadt samt Kirchturm und Glocke ist dabei in der Nase der Hasenperson, die immernoch (?) auf einer Parkbank sitzt und über Kopfhörer das Violinkonzert von Goldmark hört.

Regenschnee

„Bah furchtbar, unangenehmes Wetter“
„Ja, dieser Regenschnee…“
„Schneeregen, ja.“
„..ich kenn das als Regenschnee“
„Ja? Ich hör immer Schneeregen, aber ist ja eigentlich egal, wie rum“
„Höre auch oft Regenschnee“
„Ja? Das hab ich jetzt gerade von Ihnen glaube ich tatsächlich zum ersten Mal gehört“
„Hah..“
„Aber ist ja auch egal ^^“
„Ja man hört ja manchmal auch nur, was man hören will.“
„Joa. Ach man kann ja beides sagen“
„Ja, man kann vieles…“
„Gut, ich sag jetzt auch immer Regenschnee
„Aber nicht meinetwegen *künstlich lach“

In Ruhe onanieren

„Was machst du heute abend noch, ziehst du noch um die Häuser?“
„Nee, ich wollt schon länger mal wieder in Ruhe onanieren“
„Ouh. Braucht man da einen ganzen Abend für?“
„So wie ich es mache ja“
„Wie denn?
„Ach, immer so leicht ‚anspielen‘, Pausen dazwischen mit Musik und ein bisschen Fenchelsalat, dann langsam die Intensität erhöhen, aber ohne wild zu rubbeln halt, und eben ewig hinauszögern“
„…damit du dann richtig explodierst am Ende oder wie“
„Eher selten, meistens klingt das Verlangen dann am späteren Abend langsam ab oder ich schlafe ein oder so“
„Ohne gekommen zu sein?“
„Du, Sex ist mehr als nur wilde Zuckungen und becherweise Sperma. Sex ist auch Stille, ein bisschen am Johannes rumspielen, viel Schlaf“
„Das ist ziemlich sicher kein Sex. Warum eigentlich FENCHELSALAT“
„Den mach ich mir manchmal ganz gerne, wobei ich meistens eher die Vorstellung von einem Fenchelsalat mag als den Salat selbst.“
„…na dann auf jeden Fall ’schönen‘ Abend“
„Dir auch!“

Namen geben

Ein seltsames Wesen, das anfängt und halb schräg oder leise aufhört und dann wieder tanzt und ruhig im Gras sitzt und sich zugleich um- und nach vorne von mir wegschaut. Ich weiß nurnoch, dass ich es liebe und es mich traurig macht. Wie hinter Glas. Ich denke immer, erkläre es doch, aber ich weiß die Erklärung, nur dass sie mir nicht gefällt. Mich ärgert, dass ich ihm keinen Namen geben will. Hier noch einige nicht benötigte Buchstaben und Satzzeichen a t j d,,.,

Migosch

Ein Musiker übt in seinem kleinen großstädischen Apartment das Violinkonzert von Glazunov und hat auf dem Gasherd einen übertrieben großen Topf Szegediner Gulasch am Köcheln dranne. Ein Nachbar kommt nach vereinbartem Klopfzeichen durch die unverschlossene Wohnungstür, schnuppert interessiert, schaut in den Topf und rührt darin herum (der Musiker übt ungerührt weiter). Da sagt der Nachbar: „Migosch, tschuldige, aber wer soll das denn wieder alles essen?“ Migosch setzt ab: „Äh, niemand. Ich mag es bloß, wenn beim Üben der kleine Raum so durchdringend nach Goulash riecht und sogar etwas Dunst von der Geige tropft. Ja, die Finger gleiten auch besser über die Saiten.“ Der Nachbar schaut etwas verwirrt und ungläubig, zuckt dann mit den Schultern und legt sich mit einem fragenden Blick in ein Regal?“ Ja, leg dich ruhig hin“, sagt Migosch. Und während er schon wieder zu spielen anfängt: „Ich war selber lange das Goulash, weißt du? ich bin Migosch, eines Tages bin ich wie eine kleine Ratte die Regenrinne draußen hochgeklettert und oben haben sie getanzt und gelacht und ah, it was such. Ich war das ganze Haus als Gefühl. Und im Orchester waren alle ganz leise, leise. Und als ich so aufgeregt war, so aufgeregt. Der Nachbar ist im Regal eingeschlafen. Migosch lächelt und ist die ganze Geschichte als Erinnerung.

Im Ikea

„…schade, leider nur eins, hätt ich gleich drei mitgenommen von diesen Kissenbezügen“
„Och dann frag doch hier einen, ob die davon noch welche auf Lager haben.“
„Nein, lass, war halt nurnoch eins da“
„Oder manchmal haben die die ja auch noch an anderen Stellen liegen.“
„Ach Quatsch.“
„Man kann doch mal fragen?“
„Nee komm lass.“
„Wieso?“
„Ja siehst du hier jemanden?“
„Ja dann suchen wir doch mal (schaut sich um)“
„Nee, jetzt lass doch einfach.“
„Also…warum bist du denn so?!“
„Die haben eh nichts auf Lager, was die haben, liegt da, das ist immer so“
„Aber fragen…“
„Nee wirklich, jetzt ist gut, das eine reicht mir auch.“
„Ich frage gleich einen, wenn wir einen sehen“
„Aber nicht für mich.“
„Was?!“
„Ja, ich habe den einen, ich will auch nur einen jetzt.“
„Pff..na gut dann nicht (geht weiter) “
(leise zu sich) „… die haben auch keine mehr“

Glas

Seit jeher bin ich fasziniert von Glas – diese Symphonie aus Eisen und Wind, im Sandstrahl geformt, im Licht bewiesen. Hinter klarem Glas wird jeder Inhalt wie Saft im Raum hingestellt, ohne zu zerfließen, verliert aber nicht seine natürliche Gleitfähigkeit. Saft – das Wasser der Früchte. Ich brauche dich, Glas, weil ich was von ihm müchte. Ich sehe es, ich sehe ihn – zugleich. Das Glas ist fest, doch optisch weich. Was sind wir reich. Was sind wir reich.