Schlag den Reiher

Jahrmarkt, regnerisch. Trotz Samstagabend sind relativ wenig Leute unterwegs, die meisten drängen sich um die Fressbuden. Der Hauptgewinn am gewaltigen, aber verwaisten Losstand ist eine riesige Gottschalkpuppe. In einer besonders dunklen Ecke des Jahrmarkts steht ein kleiner, etwa lokusgroßer Kasten mit der Überschrift „Schlag den Reiher“. Ein Mädchen hat einen Euro bekommen und weiß nicht so recht, wofür sie ihn ausgeben soll. Als sie den heruntergekommenen und ramponierten Reiher hinter der Absperrung sieht, fragt sie die alte Kassiererin, ob sie den Reiher auch umarmen statt schlagen darf, wenn sie den Euro zahlt. Da lächelt die alte Frau überrascht und sagt: „Wenn du ihn umarmt, musst du garnichts zahlen“ und öffnet die Absperrung. Etwas ängstlich geht das Mädchen in das kleine Kabuff und steht vor dem Reiher, der von außen kleiner aussah als er wirklich ist. Da fasst sie sich ein Herz und umarmt ihn. Er riecht nass und muffig und ihr ist kalt. Aber plötzlich legt der Reiher seine Flügel um sie und sie fühlt sich wunderbar geborgen. „Danke“, sagt der Reiher. „Ach, dafür nicht“, sagt das Mädchen; den Spruch hat sie irgendwo mal aufgeschnappt. Guter Dinge verlässt sie den Reiher, winkt noch einmal und kauft sich von dem gesparten Euro eine Dose Bier, die sie der Frau am Reiherstand schenkt. Da lacht die Frau, öffnet die Dose, „zieht sie weg“ und rülpst unglaublich laut, sodass das Mädchen weinend vor Lachen nach ihrem Hause läuft. Außerdem sitzen noch sieben gelbe Wesen in einem einzigen Autoscooter und wissen genau, wie sie fahren müssen, um nicht angedotzt zu werden. Ende.