Das sind die Cashews

Normale wohlhabende Familie, mehrmals mit dem SUV im Rewe und bei Denn’s gehamstert

Bruno: „So, was essen wir denn heute abend. Genug Auswahl haben wir ja jetzt“ *lacht reich
Sandrine: „Ich decke einfach mal den Tisch, wir haben ja auch viele frische Sachen gekauft, die halten sich ja auch nicht ewig. Also herrlich frische Brotsorten mit Flußkrebssalat oder Frischwurst, schöne Käseplatte, die ganzen Frischkäsezubereitungen, Avocados, Feigen, frische Tomaten, Burrata, Sushi, sowas?“
Bruno: „Ich hatte eigentlich Lust auf diesen veganen Brotaufstrich mit Cashew und anderem“
Sandrine: „Du, Bruno, lass uns diese Döschen doch erstmal zulassen und das frische…“
Bruno: „Den wollt ich aber gerne mal probieren, der hält sich dann ja auch im Kühlschrank“
Sandrine: „Du, wenn der geöffnet ist, nicht so lange…wir haben doch so viel anderes erstmal“.
Bruno: „Das ist ja eine ganz kleine Dose, du kannst ja auch davon mit essen“
Sandrine: „Nee, du, ich wollte die frischen…“
Bruno: „Ja meine Güte, dann ess ich das Döschen ganz allein auf und von deinen frischen Sachen auch noch jede Menge, wenn die wegmüssen – hach du musst aber auch aus allem ein Problem machen“
Sandrine: „Du, Bruno, benimm dich. Wir haben besprochen, wegen der Kinder keine Panik oder Streit zuhause, die werden hier ja wahnsinnig sonst“
Bruno (leiser): „Und ich werde wahnsinnig, wenn es wegen eines Abendbrotdetails solche Diskussionen gibt. Dafür habe ich mir nicht dem Buckel krumm geschleppt, dass hier jetzt rationiert wird“
Sandrine (entsetzt): „Bruuuno. Das hat doch mit Rationierung nichts zu tun, es ist doch einfach sinnvoll, jetzt erstmal die frischen Sachen… “
Bruno: „Die hätte ich auch nie gekauft. Viel zu viel alles“
Sandrine: „Also das…DU wolltest doch…“
Bruno: „Komm, Schluss. Ich probier jetzt den Cashew-Aufstrich *macht die Dose hektisch auf, probiert mit dem Finger…wunderbar nämlich. Da hätten wir gleich 20 von mitnehmen können. Ganz lecker, hier, probier mal“
Sandrine: *vogelzeig
Bruno: „Wunderbar. Bisschen salzig ohne Brot. Bisschen beißen im Mund, das sind die Cashews. Bin aber nicht allergisch. Nee, das ist so gut, da fahr ich gleich nochmal los und hole mehr.“
Sandrine: „…ich esse jetzt einen Teller Tomaten mit Burrata, Abendessen ja offensichtlich jeder für sich“
Bruno wortlos ab, kommt nach 40 Minuten wieder
„Sooo, hallo Schatz. 30 Döschen hatten sie noch auf Lager.“
Sandrine (schon zwei Gläser Wein): „Super! räumst du es gleich in den Schrank?“
Bruno: „Immer mit der Ruhe. Jetzt mach ich mir erstmal einen Teller mit Broten und dem guten Aufstrich. Ganz ausgehungert nach der Tour.“
Sandrine: „Also bleibt das Weg- und Aufräumen wie immer mir überlassen, herrlich“
Bruno: (überhörend, zufrieden) „Ahhh, so. Llllecker. So gut… – ouh ja, starkes Beißen. Aber das sind die Cashews“
Sandrine: „Allergie“
Bruno: „Quatsch. Also wirklich, trink lieber weniger“
Sandrine: *schenkt sich nach
Bruno: „Unheimlich gut. Zwischendurch ein Schluck Milch. Siehste, Frischmilch, kommt weg. Dann brennt es nicht so. Perfekt lecker. Morgen wenn sie nachgeladen haben hole ich noch mehr“
Sandrine: „Hol dir gleich einen ganzen Sack Cashews, Bruno, ich stampf dir noch Dip dazu“
Bruno: „Du bist so furchtbar unlustig und blöde, hahaha. Aber ist mir auch egal. So noch das letzte Brot. Immer mit Milch jetzt. Brennt kaum. Wunderbar. Was kommt im TV?“

Sonderbar gebogen

Ich fühl mich heute so sonderbar gebogen.
Die Gesetze der Physik sind offenbar aufgehoben.
Ohne einen Schritt zu tun, strecke ich mich zum Kühlschrank im oberen Geschoss,
tauche den Kopf in die Terrine und esse einen Königsberger Kloss.
Ich kann plötzlich machen, wonach immer mir ist.
Zeitreisen, Dimensionsprünge, Rechnungen stunden ohne Frist.
Fliegen wie ein Adler, tauchen wie ein Rochen.
Alte Freunde besuchen, sogar Jochen.
Und das alles, ohne mich aus dem Bett zu begeben.
Die einen nennen es Spinnerei, ich Leben.