Blogbuch: Skandal der Skandale

Ein Buch will ich im Rahmen der Deutschlandmesse in Leipzig aber doch noch kurz anklingen lassen. Der große Schwafler, gerne in Talkshows wie Lanz auftretende und klinische Buchautor Manfred Lütz, u.a. „Vatikanberater“, gemeint ist Apologet und zivile PR-Drohne der Papisten bei Herder, teils auch schon als Comedian aufgetreten, hat das aber ernstgemeinte Buch „Skandal der Skandale. Die geheime Geschichte des Christentums“ verfasst. Also würde der urkomische Titel nicht reichen, ist der Skandal, den er nach sagenhafter, zweijähriger Recherche und natürlich auf dem „neuesten Stand der Forschung“ herausgearbeitet hat, dass niemand weiß, dass das Christentum einfach super ist *heiteres, befreites Lachen* und dass das Schlechte, was man ihm nachsagt, einfach alles falsch verstanden ist. Denn in der Geschichte waren die weniger guten Dinge immer vom Staat begangen und von der Kirche stets, wenn auch teils erst später, kategorisch abgelehnt und auch abgeschafft worden. Die Leute werden es kaufen wie geschnitten Brot. Ich hoffe, dieses eine kurze Beispiel darf als Beleg schon reichen, dass die kleinen rechten Verlage doch garnicht die schlimmsten sind.

Blogbuch: F.-J. Wagner zu Steven Hawking

Lieber Stephen Hawking,

jetzt bist du also tot. Der liebe Gott hat dich in sein schwarzes Loch geholt, das du so geliebt hast. Für mich warst du wie Luke Skywalker im Rollstuhl. Was für ein Leben. Karriere an der Uni. Dann die Krankheit, ein Fluch. Mit Wissen besiegt. Ein Versand, so groß wie das Universum. Ein Herz, so rein wie die Milchstraße. Die Stimme kam am Ende vom Band. Verstanden hat sie niemand. Und alle.

Mach’s gut, kleiner Prinz

Dein F.J. Wagner

Blogbuch: Regenschirmtrick

Vorhin im Restaurant wieder jemanden beim „Regenschirm-Trick“ beobachtet. Kam rein und fragte den Kellner, ob der Schirm, den er angeblich vor einer Woche hier habe stehen lassen, vielleicht noch da sei. Ja guckense mal, die stehen hier schon länger. Ach jaaa, super, das ist meiner. Kannst du deiner Großmutter erzählen, aber nicht mir, hab ich gedacht. Und beim Rausgehen konnte ich es mir dann nicht verkneifen und sagte laut: „Viel Spaß mit ‚ihrem‘ Schirm.“ Das „ihrem“ war betont und voller Spott. Und er, rotzfrech: „Werde ich haben!“ Aber was kümmern es mich. Er weiß, dass ich es weiß. Das war mir wichtig.

Blogbuch: Salon Corinna

Vorhin bei „Salon Corinna“ meine Wolle abschneiden lassen. Nett unterhalten, dann hat sie mir noch die Karte des Salons mitgegeben, damit ich auch wiederkomme, und da dachte ich, geb ich ihr meine auch. Und sie so: „Auf Facebook bin ich nich“ – „Ach wie“ – „Und Verschiedenes?! Was heißtn das. Sind sie Detektiv oder sowas?“ – „Was? Ja.“ – „Na denn…“ – „Darf ich trotzdem wiederkommen?“ – „Aber sicher, wir haben hier nichts gegen Detektive.“

Schön, dass es auch noch Haarstudios gibt, die nichts gegen Detektive haben.

Blogbuch: Essen und Notleidende

Die vielschichtige Komik, dass ausgerechnet in der deutschen Stadt „Essen“ bei der Ausgabe von Grundnahrung an Notleidende in Deutsche und Nichtdeutsche unterteilt werden soll, liegt mir irgendwie schwer im Kopf. Auch, weil ich dort einige Jahre gelebt habe und einige Verwandtschaft dort wohnen habe. Im Essener Süden zwischen Rüttenscheid und dem Naherholungsgebiet Baldeneysee gibt es einen Edeka, der damals damit warb, irgendeinen bundesweiten Supermarktfilialenwettbewerb gewonnen zu haben. Feinkost, wo man hinsah. Eine riesige Fischtheke. Die Käseleute solche Antjeklamotten und -kopftücher an. Wahrscheinlich sogar Holzpantoffeln. In diesem Laden habe ich das Wort „Schwarzfüße“ kennengelernt. Natürlich kein Begriff für Kohlekumpel. In den umliegenden Villenvierteln des alten Stahl-, Hochtief- und Stromadels seien in der Nähe des Edeka Schwarzfüße gesehen worden. So welche gibt es dort nämlich eigentlich garnicht. Die müssen „rübergekommen“ sein. Nicht aus dem Ausland, also das sowieso, aber aus anderen Teilen Essens. Der Essener Süden hat 2017 tiefschwarz gewählt, und unterdurchschnittlich AfD. Dort, wo nach Meinung dieser bürgerlichen CDU-Wähler die Schwarzfüße herkommen, um in Essen-Werden im Edeka Wolfsbarsch und Feigensenf zu klauen, also in Norden, zB in Altenessen, da ist die AfD stark. Da gibt es Probleme mit Essen.