Blogbuch: Nicht auf den Leim gehen

Ich lese in den letzten Tagen häufig, die Flüchtlingszahlen seien ja schon länger eher niedrig, deshalb seien die CSU-Manöver der Zurückweisung an der Grenze auf Basis von Obergrenzen und sonstigen Plänen, die das Recht auf Asyl (und damit die Pflicht es zu gewährleisten) gezielt in Frage stellen, so besonders absurd. Diese aktuelle argumentative Kampflinie scheint mir äußerst fragwürdig. Nicht nur wegen des Türkeideals, zu dessen Verkommenheit man wohl nicht viel sagen muss. Deutschland sollte, könnte, in meinen Augen muss sogar sehr viel mehr Flüchtende aufnehmen, auch in Zeiten, in denen mehr Menschen hier Schutz und Überleben suchen sollten als jetzt oder in der Vergangenheit, was auf ekelhaft menschenfeindliche Weise als „Flut“, „Ansturm“ usw bezeichnet wurde. Das Land war nur aufgrund mangelhafter Planung und natürlich ungenügendem Willen überfordert. Die Politik hat Angst vor, die Medien richten sich nach dem Teil der hiesigen Bürger, die sich fieberhaft in eine Ausländerfeindlichkeit hineingesteigert haben und die sozial Schwache gegen Flüchtende ausspielen. Das alles gilt es klar und immer wieder zurückzuweisen. Die Forderung muss doch ganz klar sein: Die Politik dieses auf so viele Weisen privilegierten Landes muss Lösungen liefern, auch was den Schutz vor Terrorismus und andere Probleme betrifft, aber auf Basis der Bereitschaft, der Pflicht – wenn man schon nicht in der Lage ist, freiheitliche Werte gemeinsam mit Verbündeten außerhalb Europas gegen Schlächter, Religionsfaschisten und Diktatoren auch militärisch auszufechten – wenigstens sovielen Kriegs- und Terrorflüchtenden wie möglich und nötig zu helfen. Dahinter nicht zurückfallen.

Blogbuch: Die alte Hacienda

Wenn ich später mal auf einem Bauernhof in einer Art Kommune oder Sekte lebe, wird es eine Kuh geben, die „Hacienda“ heißt…ich sage dann immer „die alte Hacienda“ und finde das selbst am Komischsten, während andere – wenn überhaupt – nur etwas schmunzeln oder sogar genervt sind. Traum.

Tagtraum: Im bequemsten Sessel

Tagtraum: sitze im bequemsten Sessel der Welt, um den zahme Waldhunde herumspringen und entscheide im Stile Salomons Streitfälle. Zum Beispiel sowas wie „König Benjamin, wir können uns nicht einig werden, was die bessere Fanta sei, Erdbeer oder Melone.“ „Ganz einfach, nimm diese Melone hier, schneide sie auf und trinkt je ein Glas von beiden Sorten (?!).“ Raunen, Beifall.

Milspe und Voerde

Dass „jeder Mensch Ausländer“ sei („fast überall“), bewahrheitet sich schön an dieser mir von meinem Vater, damals Gemeindepfarrer in Ennepetal, überlieferten Geschichte. Wie er zu einer älteren Dame gerufen wurde, die im Sterben zu liegen schien, dann aber wohl doch noch eine ganze Weile lebte, und die ihm ihre Lebensgeschichte erzählte, die damit (vorerst) endete: „Jetzt lebe ich schon 45 Jahre in Voerde und habe immernoch Heimweh nach Milspe.“

Blogbuch: Freitagabend Klassikradio

Freitagabend Klassikradio hören hat auch immer was von gedünstetem Seelachs auf wässrigem Reisbett. Statt mal ein paar gute Streichquartette aus dem 20. Jahrhundert zu spielen, kommt irgendeine Sonate von Alexander Ebenezer Bach und dann noch Lautenmusik von Rodruigo Dünnmann. Wirklich, ich raste aus.

Blogbuch: Bestellen beim Nachbarn

„Heute abend bestell ich mal was bei meinem Nachbarn“. Sowas würde ich gerne bald sagen können. Ähnlich wie Airbnb und Uber können bald alle, die Lust darauf haben, ihr Essen verkaufen. Tagesaktuelle Angebote von Konserven über Frischeprodukte und Selbstgekochtes können jeden Tag neu eingestellt werden. Auch der berühmte „Liter Milch“ oder ein Kniffelbecher Zucker ist im Nu von schräg gegenüber bestellt. Bisschen teuer, aber das sind halt Arschlöcher. Dafür ist es in zwei Minuten da – die Kinder machen einen Sport draus, besonders schnell zu liefern. Klar, es gibt auch schwarze Schafe. Studenten wollen für ihre Veganersachen teils 30 Euro aufwärts, die sollen lieber arbeiten gehen. Da lob ich mir die Zugereisten. Die Aydins kaufen billig ein, stehen stundenlang in der Küche und nehmen nur ein paar Euro. Und es schmeckt auch nicht schlechter als vom Dönergrill, den sie auch betreiben. Nach Feierabend noch was dazuverdienen, also mir schmeckts.