Blogbuch: Kühe und Pferde

Ich dachte immer, die Kühe gehen so spät auf die Weide teilweise, weil es denen morgens und nachts noch zu frisch ist und sie sich eine Blasenentzündung verholen. Aber dann erfuhr ich heute, dass das wohl eher mit den Weiden zu tun hat, die erstmal „in Schwung“ kommen müssen nach dem Frost bis ins Ostern hinein. Auch interessant: Pferde kommen auch nicht sofort raus, weil das erste Gras immer sehr viel Eiweiß hat, deshalb müssen sie langsam heranverweidet werden.

Nur der Mensch kommt sofort raus auf die Weise und hinterlässt ABFALL , DER HÄTTE IN DIE TONNE VERSORGT WERDEN MÜSSEN !

Blogbuch: Lutz

Im Zivildienst habe ich mit Lutz im Waschkeller gesessen und den Waschmaschinen zugeschaut, wie sie alles hjn- und herwenden und irgendwie nass. Stundenlang. Er meinte, das sei wichtig, und ich war ein wissbegieriger Schüler. (Er war der Oberzivi). Lutz war toll, er hatte ein gutes Herz und war ansonsten schnoddrig. Einmal war eine LAN bei Soest. Wo er herkam. Mein Rechner kam nicht zum Laufen die ganze Zeit. Dafür studierte ich Lutz und meinen besten Freund Erich. Es war, als würden sie die ganze Nacht Counterstrike spielen. Gut.

Blogbuch: Telegramm

Habe mich gerade mal interessehalber informiert, was es kostet, ein „gutes altes“ Telegramm zu verschicken. Ein Mini-Telegramm (bis 160 Zeichen) kostet stabile 12,90 Euro, ein Maxi-Telegramm 18. Bis 3 Uhr nachts aufgegeben wird es noch am selben Tag übergeben, immerhin. Das werde ich heute Nacht mal machen – u.a. um sagen zu können, dass ich schonmal telegraphiert habe. Es muss irgendeinen seltsamen, aber auch spannenden Inhalt haben, so habe ich mir Telegramme immer vorgestellt. „Schiffe mich um 300 Blasen ein. Bei Samowar. Denk bitte an die Schatulle. Immer dein B.“

Blogbuch: Vince Ebert und Namen tanzen

Vince Ebert über die Grünen: „Eine Truppe, die Gentechnik als Teufelswerk bezeichnet und Homöopathie als seriöse Medizin; die glaubt, dass das biologische Geschlecht ein soziales Konstrukt ist, dass Namentanzen für den Arbeitsmarkt fit macht und die Becquerel für einen französischen Landwein hält […]“

Ich finde dieses trotzige Festhalten daran, sich über Grüne zu mokieren, indem man ihnen vorwirft, ihre Kinder den Namen tanzen zu lassen und sie somit nicht fit genug für den Arbeitsmarkt zu machen, irgendwie…urig? Dazu der weingeschwängerte Kalauer am Ende – die anderen mehr schlecht als recht zugebogenen, launig herpopulistelten Kritikpunkte ganz beiseite genommen.

Ich hatte mich schon früher, als die Grünen durchaus noch eine andere Partei waren, über den Kritikpunkt mit dem Namen tanzen und dass man sich so endlos darüber begeiern und zugleich aufregen konnte, besonders gewundert. Ich hatte durch das Musizieren ziemlich viel Kontakt mit Waldorfschülern (ich selbst war auf einer städtischen Schule) und habe sie darum beneidet, dass sie gerade ihre musischen oder sonstigen Talente dort offenbar stärker artikulieren und ausleben durften als ich – dabei war mir damals schon mitgeteilt worden, die Waldorfschule sei aus anderen Gründen abzulehnen. Die Gründe sind gewichtig – komisch aber, dass dann ausgerechnet das Namen tanzen immer wieder auftauchte. Bei uns ging es übrigens tatsächlich deutlich mehr in Richtung Arbeitswelt – nicht, dass ich mich dem nicht nach Kräften und durchaus erfolgreich entzogen hätte – sowieso mein Rat an jeden Schüler.

Aber ich schweife ab. Was stört Holger „Vince“ Ebert aus Unterfranken am Namen tanzen? Ist es wirklich nur die Tatsache, dass man damit keine Karriere als steuerfinanzierter Pausenclown starten kann, der Wikipediawissen für seniles ARD-Pubikum feinpüriert und als Animateur bei Veranstaltungen großer Firmen (zusammen mit Thomas Gottschalk) auftritt? Wohl kaum. Das wünscht sich nun wirklich niemand für sein Kind. Ist Namen tanzen nicht wissenschaftlich genug, Holger?

Ich glaube noch nicht mal, dass es die von Ebert erwartbarerweise und stets bemühte Gendersache ist, über die in die Jahre gekommene Herren auch immer besonders gerne lachen. Wenn Jungens ausdrucksvoll tanzen, ist das eben „schwul“. Nenee, das alles hat mit sozialen Konstrukten natürlich rein garnichts zu tun, Holger.

Aber nein. Auch das ist es nicht . Also was denn nun. Dass die Leute einfach nicht wissen, wie es geht und sich nicht trauen zu fragen? Haben sie Angst, dass das Tanzen wie ein Fluch über das Land kommt und alle bald schon verpflichtet sind, zB bei Vertragsabschlüssen oder bei Kaufland an der Kasse den Namen zu tanzen? Ich weiß es nicht. Vielleicht alles zusammen. Aber der Witz wird sich in entsprechenden Milieus noch ewig halten.

Blogbuch: Flugzeugstreik

Bei einem Flugzeugstreik merken wir wieder, wie zerbrechlich unsere ganze Gesellschaft ist. Was soll nur werden, wenn Leute einmal irgendwo nicht hinkommen? Zehntausende sitzen Zuhause und haben Angst. Ich berichte weiter. Streikende in der Luftfahrt nehmen die gesamte Menschheit als Geisel – aus reinem Interesse an Gehalt. Uboot-Personal streikt interessanterweise nie, dabei überwinden auch sie die Kräfte der Natur. Sind sie bescheidener? Demut.