René

„Weißt du noch, René?“
„Nee.“
„Na der eine damals, da auf…“
„…ach Renééé, ja sicher!“
„Ja ^^“
„Und was ist mit dem?“
„Ach, der ist wohl beim Bergsteigen in den Pyrenäen von einem Bartgeier angegriffen worden und hat ein Auge verloren.“
„René, jetzt erinner ich mich wieder, aber im ersten Moment sagte mir der Name garnichts.“
„Ja ^^“
„Der René! Und was macht der sonst so, arbeitstechnisch?“
„Du, so genau weiß ich das auch nicht, hab ich nur so am Rande auf Facebook mitbekommen, war dann auch in so einer Spezialklinik lange, weil da mit dem Auge noch einiges andere mit rauskam wohl bei dem Angriff.“
„Witzig, wie man über all die Jahre doch noch so lose Kontakt hält.“
„Ja ^^“
„Der René! ^^“

Der Gast

„In ihr gewohntes Zimmer können sie dieses Mal aber leider nicht.“
„Warum.“
„Früher buchen.“
„Ja, aber warum. Wer ist drin.“
„Ich bitte sie.“
„Wer…“
(leise) „…wir wissen es nicht.“
„Was?“
„Sehen sie die Pflanze dort hinten?“
„Wo? Vor den Türen des Seilstuhls?“
„Ganz recht.“
„…und?“
„Nichts weiter. Ich dachte, sie würde ihnen vielleicht gefallen.“
„Wollen sie mich…“
„Nein, nein. Ich kann ihnen nicht mehr sagen. Sehen sie, er kommt spät nachts hin und wieder hier herunter, in die Lobby, nie zum Essen. Niemand kennt ihn, er…schaut, er lächelt. Man hat das Gefühl…“
„…ja?“
„..als wolle man ihn soviel fragen, aber gleichzeitig hat man die Antworten ja doch schon vergessen. Und es ist auch nicht schlimm. Verstehen sie?“
„Nein. Unsinn.“
„Hier, ihr Zimmerschlüssel.“
(nimmt, geht, kommt nochmal wieder) „Ihr Gast – ist er recht groß und schwer?“
„Ganz recht.“
„Und er wandelt seltsam umher, was?“
„Das ist, was er tut.“
„Na wunderbar. Unter einem Dach mit ein Golem.“
„Ganz recht. Es ist wunderbar

SZ-Redaktionssitzung

Idee für eine Redaktionssitzung bei der SZ wegen der neuerlichen Antisemitismusvorwürfe

A: „Also, wie sollen wir auf die Vorwürfe reagieren.“
B: „Bedauern.“
A: „Was.“
B: „Wenn es jemand falsch verstanden hat, wenn sich jemand verletzt gefühlt hat und sowas.“
C: „Was ist an der Karikatur eigentlich so schlimm.“
D: „Eben.“
A: „Naja…“
B: „Israel, das mit dem Davidstern.“
C: „Was. Das ist nunmal die Flagge Israels.“
B: „Ja, da war wohl wieder was mit den Ohren von Netanjahu.“
C: „Wieso, ach Quatsch ist das wieder. In jeder Karikatur werden Gesichter überzeichnet.“
D: „Sehe ich auch so. Total übertrieben.“
C: „Es war vor allem, es ist ja auch so. Alles voller Israel beim ESC, die zeigten ja nurnoch Israelfahnen am Ende. Ich hab meiner Frau auch gesagt, wo sind wir hier, in Jerusalem oder wie.“
D: „Schreckliches Lied auch.“
A: „Gut, also das ist jetzt nicht…also es ist wohl auch, dass die Symbolik, also dass da Raketen, Gewalt vom Juden, also von Israel ausgeht, und der Davidstern im Eurovision-Schriftzug, als wäre der in jüdischer Hand. Das ist vielleicht…“
B: „Ja..“
C: „Israel, nicht Juden.“
A: „Naja, Israel…“
C: „Das ist eindeutig Kritik an politischer Einflussnahme.“
B: „Beim ESC.“
D: „Instrumentalisierung. Ich sage nur Instrumentalisierung.“
C: „Netanjahu will Krieg. Und er nutzt jede Propaganda.“
A: „Naja. Ja, aber das ist alles ein bisschen schwierig. Israel, Juden…“
C: „Die Jud…Israel tötet wieder Palästinenser, während alle den ESC feiern.“
D: „So ist es.“
B: „Ja, aber das ist ja auch komplexer.“
C: „Netanjahu mordet und Europa feiert.“
D: „Genau. Trump auch.“
C: (nickt)
A: „Also ich weiß nicht, einerseits ja, andererseits ist diese Ikonographie, wie ich las…“
C: „Alles Quatsch.“
D: „Trump! Israel mordet.“
B: „Also ich meine auch, wenigstens bedauern.“
A: „Könnte man sich auf bedauern einigen, man muss sich ja nicht distanzieren.“
C: „Sehe nichts zu bedauern.“
D: „Bedauern kann man machen, und was Kritisches zu der Siedlungsproblematik.“
A: „Das ist ja jetzt gerade nicht…“
D: „Ich mein ja nur.“
B: „Also Mehrheit für Bedauern für etwaige Missverständnisse.“
A: „Gut.“
C: „Kein Kommentar.“
D: „Kann ich mit leben.“

Henning: Muttertag

„Henning?“
(keine Antwort)
„HENNING?“
(leise) „ja?“
„Heute ist Muttertag.“
(keine Antwort)
„Henning?“
Alles Gute.“
„Was?“
(gereizt) „ALLES GUTE!“
„Henning, komm mal runter.“
„Nee.“
„Komm jetzt mal runter.“
„Jetzt nicht.“
„Henning, du wolltest heute spülen.“
„Morgen.“
„Nein, heute.“
„Hallo, morgen.“
„Henning, heute ist MUTTERTAG.“
Alles Gute.“
„Am Muttertag hilft man seiner Mutter.“
„Erfindung der Nazis.“
„…was???“
„Muttertag.“
„WAS??“
„Erfindung der Nazis.“
„Das…HENNING DU KOMMST JETZT..“
„Hallo, Nazis.“
„Du kommst!!!“
„Morgen.“
„HEUTE!!!!“
„Nazis, hallo“

Muss das sein?

„Muss das sein?“
„..bitte?“
„Jah.“
„Was denn.“
„Mit den Füßen da im Brunnen.“
„…was genau ist da jetzt das Problem?“
„Was.“
„Ja, was denn.“
„…nä.“ (geht)
(laut) „Was ist denn ihr Problem?“
(geht weiter, keine Antwort)
(zu anderen am Brunnen) „Es gibt echt Leute, ne. Der wollte nur meckern. Wahnsinn, ey. Ich sitz hier. Bei dem herrlichen Wetter. Und der kommt und…das sind solche dummen Typen, echt so zum Kotzen, die haben nichts anderes zu tun, als andere zu maßregeln und zu schulmeistern. Und dann haben sie noch inhaltlich auch Unrecht. Objektiv ist es ja so, dass ich hier – oder was heißt ich, dass jeder hier, wenn er Lust hat…öffentlicher Brunnen, das ist ja kein Trinkwasser. Und Tiere sind da auch keine drin, also keine, die da städtisch gehalten werden, paar Larven und sowas. Hehehe, es ist so absurd, ne?! Da muss man sich wegen so jemandem hier anmachen lassen, und dann zieht er wortlos ab, weil er auch garkeine Argumente hat. Der wollte mir einfach hier alles verderben, einfach stänkern. Da könnte ich kotzen, ehrlich – schönes Wetter, Menschen. Ich lass mir das hier nicht verderben. Ich hole mir jetzt auch noch Eis. Wollen sie Eis?“
(umliegendes Kopfschütteln, Abwenden)
„Nein, keiner. Mir wär die Lust auf Eis auch vergangen. Schade, dass man sich von solchen Leuten so abhängig macht und sich die Stimmung hier am Brunnen verderben lässt. Genau das wollte er ja. Sie können – ich bringe ihnen Eis mit, gebe es aus. Sagen sie ruhig.“
(jemand) „..nee, danke“
„Ja, bitte. So ist das nämlich, dann ist die ganze Stimmung hin.
(Leute stehen auf)
„Ja, dann gehen die ersten. So ist das nämlich, wenn hier jemand die Stimmung kaputtmacht, scheiße ist das. Ich lass die Füße aber im Wasser, ist mir scheiß egal. Will auch kein Eis mehr. SCHEISSE EHRLICH. Sorry, aber ist doch so, oder? Da haben dann solche Arschlöcher gewonnen.“

Schon noch doch nicht

„Opa, ich dachte, ich ruf einfach mal an, weil wir uns so selten sprechen und du hast doch so viel Lebenserfahrung..“
„Hah..“
„Ja, du hast du soviel erlebt, und da hab ich mich gefragt, ob du mir irgendwas mit auf den Weg geben willst.“
„Ich glaube….es gibt nichts, was ich schon noch doch nicht weiß.“
“ – wie jetzt.“
„Es gibt nichts, was ich schon noch doch nicht weiß.“
„Wie, du weißt noch…schon alles oder wie.“
„Es gibt nichts, was ich schon noch doch nicht weiß.“
„Versteh ich irgendwie nicht.“
„Es gibt nichts…“
„Opa! Ich versteh das nicht.“
„….es gibt nichts…“
„Nee, dann…tschüüss.“