Erinnerungen: Tischtennisschläger

Als Kinder haben wir unsere Tischtennisschläger gerne über die Kopfhaare (von jeweils anderen) gezogen, um zu prüfen, ob sie noch „ziehen“ (also die Schläger). An solche ungezwungenen und zugleich auch praktischen Tricks ist im Alter nicht mehr zu denken, auch aus Angst, dem alten Grundschulfreund, der es zu etwas gebracht hat, kurz vorm Rundlauf noch die „transplantierten Haare“ (Toupet) runterzuziehen und auf Schadenersatz verklagt zu werden.

Erinnerungen: B-Western auf Wikipedia

Ein kleiner Schwank aus meiner Zeit als Wikipedinger: Damals studierte ich in Freiburg und es wurde gerade das UB-Gebäude grundsaniert. Deshalb waren die Bücher ins Stadtheater umgezogen und 24/7 geöffnet, also auch nachts! Das war aus mehreren Gründen ziemlich cool, auf die ich jetzt aber nicht weiter eingehen will. Jedenfalls hatte ich zu der Zeit einen Narren daran gefressen, sogenannte Stubs, kurze Wiki-Einträge mit den nötigsten Informationen, zu weniger bekannten Italo- und Eurowestern zu erstellen. Als Quellen dienten mir einige deutschsprachige Standardwerke bezüglich des Genres von Hembus, Bruckner und Kessler, über die die Filmabteilung der UB verfügte. Die Streifen wählte ich übrigens nicht unbedingt danach aus, ob ich sie schon gesehen hatte oder nicht, sondern ob sie lustige (deutschsprachige) Titel hatten, zB „Bratpfanne Kaliber 38“. Nun war einem echten Italowesternkenner aufgefallen, dass ich in „seinem“ Bereich einiges an kleinen Artikeln ergänzte und äußerte sich zu Beginn erfreut, dann aber zunehmend kritisch bis fast schon ablehnend, da „einfach die Kerndaten einfügen und nur einen Satz zur Handlung schreiben nicht unbedingt besser als nichts“ sei. Und da hatte er nicht ganz Unrecht. Also suchte ich mir einen der unbekanntesten Genrebeiträge heraus, eine tschechoslowakisch-spanische Western-Co-Produktion war das glaube ich, zu der es in den Büchern und auf Fanseiten außer eben jenen wenigen Basisdaten kaum Infos gab und der, wie eine vergleichsweise gründliche Recherche ergab, auch praktisch nicht zu beschaffen war, und schrieb auf Basis des Titels und der Namen der Protagonisten eine ziemlich ausführliche Zusammenfassung eines Plots, der mir der mutmaßlichen B-Produktion und den allgemeinen Gesetzmäßigkeiten des Eurowesterngenres angemessen erschien. Und ich weiß noch, wie der besagte Fachmann den Artikel erst garnicht kommentierte, dann irgendwann so mega alibimäßig ein paar Formulierungen verschlimmbesserte und mir schließlich gönnernd schrieb: „Geht doch!“ Und es war ein Feixen meinerseits.

Epilog: Die Sache ließ mich nicht los und bei einer der legendären DVD-Sammler-Messen in Bottrop erstand ich diesen raritätischen Western und tauschte meine Handlung durch die echte aus. Viel verändern musste ich übrigens nicht.

Erfundene Kindheitsgeschichte

Als wir damals auf dem zugefrorenen Teich Eishockey spielen wollten, hatten wir zwar einige Gerätschaften, die sich als Schläger eigneten, nicht jedoch einen Puk. Steine waren nicht gut genug. Da hatte jemand eine Idee, rannte nach dem Hause und kam mit einer Thunfischdose wieder. Tatsächlich hatte die Dose eine dem gemeinen Puk sehr nahe kommende Physiognomie. Wir hatten gerade angefangen zu spielen, da fing einer der Torhüter die Dose mit einem Baseballhandschuh, kletterte auf einen Baum und aß oben auf einem Ast sitzend den Thunfisch. Die Suche nach einem Ersatz gestaltete sich schwierig. Die einen hatten zuhause keinen Thunfisch, die anderen durften ihn nicht zum Spielen mit rausnehmen. Schließlich spielten wir mit einer trapezförmigen Corned Beef-Dose weiter, die jemand „noch hatte“. Es war aber nicht wie mit einem Puk und bald hatte der Torwart sich ohnehin auch diese Dose geschnappt, mit bekanntem Ausgang. Der Winter ging.

Erinnerungen: Das Wohnzimmer

Als Kind bin ich manchmal des Abends bei den Erwachsenen im Wohnzimmer gesessen, damals noch ordentlich eingequalmt vom Pfeifenrauch meines Vaters und den anderen Rauchsorten von Gästen, bevor sie sich dann später wegen des „Dschihads gegen Raucher“, wie sich mein Vater zuletzt auszudrücken pflegte, zum Quarzen in sein Arbeitszimmer oder auf die Terrasse ausweichen mussten, und lauschte diesen jenen Diskussionen, damals noch seltener über Tagespolitik, mehr über Theologie und Philosophie, und ich weiß noch genau, wie ich wirklich sehr, sehr wenig von dem verstand, was da geredet wurde. Ich weiß aber noch, dass es ruhiger war, mit mehr Ruhe in den Stimmen. Man konnte dabei einschlafen. Auf dem Sofa unter den dunklen Bücherregalen und mit lauter interessanten Wortfolgen im Ohr, die einen nicht im Mindesten wachhielten.

Ehrenmann

Ich sitz am Schreibtisch und schreibe und trinke einen schönen, frisch aufgeschroteten Kathreiner, da kommt eine Stechmücke geflogen, landet auf dem Rücken meiner linken Hand und während ich einfach weitertippe, die Hand sich also auch bewegt und wackelt, bleibt sie einfach sitzen und gönnt sich. Ich habe das ausnahmsweise durchgehen lassen, denn sie kam am hellichten Tag und mit offenem Visier. Wer wäre ich, einem solchen Ehrenmann nicht wenigstens eine gewonnene Runde im ewigen Kampf Insekten gegen Menschen zuzugestehen.

Erinnerungen: Europafest

Ich war mal in Strasbourg, bzw, da war ich in meiner Freiburger Zeit eigentlich relativ oft, aber bei dem einen Mal war Europafest und in der ganzen Stadt waren Pavillons der Nationen und der erste, auf den wir, meine damalige Freundin und ich, stießen, war der rumänische. Da war nicht richtig viel los, ich erinnere mich aber an einen sehr großen Schwenkgrill, auf dem heftig nach Knoblauch und Röstaromen duftende Hackfleischgüdel lagen. Es war übrigens sehr warm an dem Tag. Was soll ich sagen, ich aß davon. Es war „special“, und, wie ich heute glaube zu wissen, kein Zufall, dass gleich daneben relativ teuer kaltes rumänisches Bier, „Ursus“, in Plastikbechern ausgeschenkt wurde. Die ganze Sache wurde durch heftige rumänische Musik befeuert. Und naja, wir fuhren noch oft nach Strasbourg, aber nicht mehr zu Europafesten.

Erinnerungen: Filterzigaretten

Sicher kennt jeder, sich vorzustellen, wie ein allwissendes Wesen oder auch ein Team von Praktikanten, das so „Truman Show“-mäßig die Aufgabe hat, Statistiken über einen seit der Geburt zu führen, genau weiß, wie oft man dieses oder jenes im Leben gemacht oder, hja, erlebt hat – zB wie oft man bisher im Leben niesen musste oder wieviele Sandkörner man zusammengerechnet schon zwischen den Zehen hatte. Und da stellte ich mir gerade vor, wie ich in einer Game Show gegen andere antrete, wo man genau diese Zahlen schätzen muss, und es sind nurnoch ich und jemand anderes übrig, der auch sehr gut schätzen kann, und es kommt eine letzte Frage: Wie oft man wohl im Leben schon eine Filterzigarette von der falschen Seite aus angezündet hat (im Suff und/oder wegen Dunkelheit oder noch anderer Gründe) und dann mein Finalgegner so, hellauf begeistert: „Das weiß ich genau: Nie! Denn ich habe noch nie in meinem ganzen Leben auch nur eine Zigarette geraucht!!!“ Applaus im Gameshowpublikum (oder eingeblendeter Applaus). Und ich muss also, um im Spiel zu bleiben, genau die richtige Zahl nennen, und nach kurzem, hilflosen Überlegen ich so „neun?!“ „ÄÄÄÄÄ“, das Geräusch für falsch bzw verloren. Lachen und Buhen im Publikum. Deshalb mag ich Nichtraucher nicht, obwohl ich mittlerweile selbst einer bin.