Erinnerungen: Der Chemiebaukasten

Ich habe so manche Laster u. Leidenschaften, aber die Sammelleidenschaft ist mir fremd geblieben. Wohl habe ich als Kind einmal Paninis eingeklebt und ein Briefmarkenalbum durchaus besessen, auch Freunde sammelte ich im Poesiealbum.

Da fällt mir ein, wie mein großer Bruder vor Jahren einen Chemiebaukasten besaß. Er hatte mich eindringlich davor gewarnt, in seiner Abwesenheit Experimente durchzuführen, weil sonst schreckliche Konsequenzen chemischer Art dröhten, weswegen ich mich damit begnügte, die Substanzen heimlich und mit einiger Ehrfurcht zu begutachten und dann doch Experimente durchzuführen. Ein Reagenzglas sprudelte stark über und die Reagenz hinterließ Spuren auf dem Teppich. Da halfen weder Seife noch Ata. Am Ende musste ich es beichten und bekam Chemiebaukastenverbot, das erst nächstes Jahr abläuft. Dann kann es allerdings passieren, dass ich chemieren werde bis in die Dämmerung.

Merkwrürdiger Traum

Merkwürdiger Traum, den ich so ähnlich schonmal hatte. Eine Gruppe von Personen, die ich wohl schon länger kenne, wuselt um einen großen Tisch herum, auf der eine rechteckige Platte mit sehr viel kleingedrucktem Text liegt und so gut wie vollgeschrieben ist. Daneben liegt eine deutlich kleinere Platte, die auch weniger vollgeschrieben ist. Nun wird wohl nichts handschriftlich ergänzt, sondern mit Textbausteinen. Ich habe keine Ahnung, wo die sind und weiß auch nicht, worum es geht, aber das scheint nicht aufzufallen, ich diskutiere trotzdem eifrig mit, am Tisch wird viel geredet. Es fällt auf, dass niemand an der kleineren Platte arbeitet. Dann wird mir klar, dass auch an der großen niemand arbeitet, die Platten sind schon seit einer Ewigkeit so, wie sie jetzt sind. Ich traue mich aber nicht, die anderen darauf anzusprechen, werde aber verständlicherweise in der Folge etwas ungeduldig, was sich zu einer Art Albtraum auswächst.

Blogbuch: Es vergeht kein Tag

Und wieder vergeht kein Tag, an dem nicht irgendjemand die unheimlich originelle Frage an mich richtet: „Darf ich mal fragen, wie groß sie eigentlich sind?“ Es ist so funny, einen großen Mann zu fragen, wie groß er ist. Die Freude steht den Leuten so dermaßen ins Gesicht geschrieben, wenn sie das fragen, das ist Wahnsinn. Von meinem Psychiater hieß es, ich dürfe auch mal sagen, wenn mir eine Frage nicht gefalle, ich müsse nicht immer nett und geduldig sein. Ich weiß noch, wie ich „thx for teh info bro“ dachte, also wirklich auch in dem Wortlaut genau so gedacht. Ich habe mir vorgestellt, wie es geschrieben wird, nicht ausgesprochen. Gespräche sind so erschütternd langweilig, fast alle. Soviele Leute sind so unglaublich öde. Vor allem auch „Paradiesvögel“ und ausgeflippte, unangepasste Typen, die das Herz auf der Zunge tragen und dann gerne auch fragen, wie groß ich genau bin. Oder auch so sau originelle Themen in einem Gespräch placieren und SEHR BELESEN SIND.

Erinnerungen: Geruch

Die Geruchserinnerung ist wirklich ein ziemlicher Hammer. Gerade den Hauch eines lange vergessenen Parfums wahrgenommen und es hat mich so geflasht wie es kein Bild oder keine Stimme oder Musik könnte, es hat mich in ein anderes Universum geschossen.

Ich kann auch Hähnchenwagen auf viele Kilometer Entfernung riechen, was sicher nicht dasselbe ist, aber auch bemerkenswert.

Erinnerungen: Kinderwagen

Ich schaute neulich recht nachdenklich aus dem Fenster und sah einen interessanten Kinderwagen. Quasi einen Vierer, wie man ihn aus Bussen und Zügen kennt, wo sich vier Personen, in diesem Fall Babys oder Kleinkinder, gegenübersitzen. Das ist viel besser als wenn alle nach vorne gucken, denn so kann man sich sicherlich besser unterhalten. Wenn ich irgendwann einmal Vierlinge bekommen sollte, was Gott verhüten möge (nicht, weil ich grundsätzlich keine Kinder wollte, aber vier auf einmal bitte nicht), würde ich auch so ein Gefährt anschaffen.

Hachja, auch meine biologische Uhr tickt. Irgendwann in den nächsten Jahren wären Drillinge schon ganz schön. Ich würde mir dann so eine Kinderwagen für Vierlinge kaufen und auf dem freien Platz kann man noch Einkäuft placieren.

Erinnerungen: Tischtennisschläger

Als Kinder haben wir unsere Tischtennisschläger gerne über die Kopfhaare (von jeweils anderen) gezogen, um zu prüfen, ob sie noch „ziehen“ (also die Schläger). An solche ungezwungenen und zugleich auch praktischen Tricks ist im Alter nicht mehr zu denken, auch aus Angst, dem alten Grundschulfreund, der es zu etwas gebracht hat, kurz vorm Rundlauf noch die „transplantierten Haare“ (Toupet) runterzuziehen und auf Schadenersatz verklagt zu werden.

Erinnerungen: B-Western auf Wikipedia

Ein kleiner Schwank aus meiner Zeit als Wikipedinger: Damals studierte ich in Freiburg und es wurde gerade das UB-Gebäude grundsaniert. Deshalb waren die Bücher ins Stadtheater umgezogen und 24/7 geöffnet, also auch nachts! Das war aus mehreren Gründen ziemlich cool, auf die ich jetzt aber nicht weiter eingehen will. Jedenfalls hatte ich zu der Zeit einen Narren daran gefressen, sogenannte Stubs, kurze Wiki-Einträge mit den nötigsten Informationen, zu weniger bekannten Italo- und Eurowestern zu erstellen. Als Quellen dienten mir einige deutschsprachige Standardwerke bezüglich des Genres von Hembus, Bruckner und Kessler, über die die Filmabteilung der UB verfügte. Die Streifen wählte ich übrigens nicht unbedingt danach aus, ob ich sie schon gesehen hatte oder nicht, sondern ob sie lustige (deutschsprachige) Titel hatten, zB „Bratpfanne Kaliber 38“. Nun war einem echten Italowesternkenner aufgefallen, dass ich in „seinem“ Bereich einiges an kleinen Artikeln ergänzte und äußerte sich zu Beginn erfreut, dann aber zunehmend kritisch bis fast schon ablehnend, da „einfach die Kerndaten einfügen und nur einen Satz zur Handlung schreiben nicht unbedingt besser als nichts“ sei. Und da hatte er nicht ganz Unrecht. Also suchte ich mir einen der unbekanntesten Genrebeiträge heraus, eine tschechoslowakisch-spanische Western-Co-Produktion war das glaube ich, zu der es in den Büchern und auf Fanseiten außer eben jenen wenigen Basisdaten kaum Infos gab und der, wie eine vergleichsweise gründliche Recherche ergab, auch praktisch nicht zu beschaffen war, und schrieb auf Basis des Titels und der Namen der Protagonisten eine ziemlich ausführliche Zusammenfassung eines Plots, der mir der mutmaßlichen B-Produktion und den allgemeinen Gesetzmäßigkeiten des Eurowesterngenres angemessen erschien. Und ich weiß noch, wie der besagte Fachmann den Artikel erst garnicht kommentierte, dann irgendwann so mega alibimäßig ein paar Formulierungen verschlimmbesserte und mir schließlich gönnernd schrieb: „Geht doch!“ Und es war ein Feixen meinerseits.

Epilog: Die Sache ließ mich nicht los und bei einer der legendären DVD-Sammler-Messen in Bottrop erstand ich diesen raritätischen Western und tauschte meine Handlung durch die echte aus. Viel verändern musste ich übrigens nicht.

Erfundene Kindheitsgeschichte

Als wir damals auf dem zugefrorenen Teich Eishockey spielen wollten, hatten wir zwar einige Gerätschaften, die sich als Schläger eigneten, nicht jedoch einen Puk. Steine waren nicht gut genug. Da hatte jemand eine Idee, rannte nach dem Hause und kam mit einer Thunfischdose wieder. Tatsächlich hatte die Dose eine dem gemeinen Puk sehr nahe kommende Physiognomie. Wir hatten gerade angefangen zu spielen, da fing einer der Torhüter die Dose mit einem Baseballhandschuh, kletterte auf einen Baum und aß oben auf einem Ast sitzend den Thunfisch. Die Suche nach einem Ersatz gestaltete sich schwierig. Die einen hatten zuhause keinen Thunfisch, die anderen durften ihn nicht zum Spielen mit rausnehmen. Schließlich spielten wir mit einer trapezförmigen Corned Beef-Dose weiter, die jemand „noch hatte“. Es war aber nicht wie mit einem Puk und bald hatte der Torwart sich ohnehin auch diese Dose geschnappt, mit bekanntem Ausgang. Der Winter ging.

Erinnerungen: Das Wohnzimmer

Als Kind bin ich manchmal des Abends bei den Erwachsenen im Wohnzimmer gesessen, damals noch ordentlich eingequalmt vom Pfeifenrauch meines Vaters und den anderen Rauchsorten von Gästen, bevor sie sich dann später wegen des „Dschihads gegen Raucher“, wie sich mein Vater zuletzt auszudrücken pflegte, zum Quarzen in sein Arbeitszimmer oder auf die Terrasse ausweichen mussten, und lauschte diesen jenen Diskussionen, damals noch seltener über Tagespolitik, mehr über Theologie und Philosophie, und ich weiß noch genau, wie ich wirklich sehr, sehr wenig von dem verstand, was da geredet wurde. Ich weiß aber noch, dass es ruhiger war, mit mehr Ruhe in den Stimmen. Man konnte dabei einschlafen. Auf dem Sofa unter den dunklen Bücherregalen und mit lauter interessanten Wortfolgen im Ohr, die einen nicht im Mindesten wachhielten.