Der Skorpion im Regen vor dem Baumstamm in dem der Marderhund sich ausruht

Ein Skorpion steht vor einem umgestürzten, hohlen Baumstamm, in dem sich ein Marderhund ausruht, im Regen. Aus dem Stamm sagt der Hund: komm doch rein, es regnet. Nein, es hat aufgehört, sagt der Skorpion. Nein, hat es nicht, sagt der Hund. Doch, sagt der Skorpion, im Regen. Da sagt der Skorpion nach einiger Zeit leise noch: „Es gibt Schlimmeres als Regen.“ Aber da ist der Marderhund schon eingeschlafen.

Der Ameisenbär und die Giraffe am Fenster, das sich dreht

Ein Ameisenbär steht jeden Tag an einer breiten, niedrigen Fensterfront, gerade so hoch wie er. Und sieht rüber zu einem anderen Fenster, das hochkant ist und in dem man den Hals und Kopf einer Giraffe sieht. Dann eines Tages beginnt sich das Fenster mit der Giraffe langsam im Uhrzeigersinn zu drehen. Der Ameisenbär isst ein paar Ameisen. Irgendwann ist der Kopf der Giraffe ganz unten, dann dreht er sich mit dem Fenster nach oben zurück. Als es „kurz vor 12“ ist und sich der Ameisenbär schon freut, sich wieder normal mit der Giraffe gegenseitig anzugucken. Da merkt er erst, dass ihm ganz schwindelig ist. Weil er es war, der sich gedreht hat. Da schläft der Ameisenbär nachdenklich ein. Gut.

Das blaue Pferd

Hast du es nicht gesehen. Das blaue Pferd kam aus einem Meer der Erschütterung. Aus seinen Nüstern schäumt wütende Gischt, seine smaragdenen Augen leuchten wie die Aurora. Es hat keinen Reiter, keinen Herrn. Sein Sattel ist der ewige Fall, seine Bügel die Stufen ins rasende Nichts. Hast du es nicht gesehen, das blaue Pferd spannt seine Muskeln und geht kraftvoll auf die stählernen Hinterbeine. Sein Stand ist für immer.

Das schönste Lied

Ein Vogel singt wunderschöne Lieder und alle Tiere des Waldes rufen: Das war dein schönstes Lied. Aber der Vogel antwortet: Nein, mein schönstes Lied werde ich nie singen. Da winken einige Tiere ab und unken, das schönste Lied gebe es garnicht. Der Vogel wird alt und immernoch rufen die Tiere des Waldes: Das war dein schönstes Lied. Aber der Vogel schüttelt nur mit dem Kopf. Da wird er sehr krank und spürt, dass er nurnoch Kraft für ein Lied hat. Er singt dann ein älteres Lied, was die Tiere des Waldes auch merken und etwas verärgert sind, dass sie das schönste Lied nie hören werden, aber auch traurig, weil der alte Vogel nach dem Lied sofort tot vom Baum fällt.

Der Vogel hat sein schönstes Lied nie gesungen,
er hat sich nie dazu durchgerungen.
Doch manche Tiere des Waldes unken:
Das schönste Lied hat den Vogel nie gestriffen.
Deshalb hat er es auch nie gepfiffen
und ist dann „abgestunken“.