Die merkwürdige Kurve

Ein Mann geht mit seinem Zobel an der Leine an einem schönen See spazieren, da kommt er an einem Schild vorbei, auf dem steht: „In 200 Metern kommen sie sich in einer Kurve selbst entgegen.“ Stirnrunzelnd geht der Mann weiter, bis ihm nach etwa 200 Metern in einer Kurve wirklich er selbst mit demselben Zobel an derselben Leine entgegenkommt. Schweigend und ohne sich groß anzuschauen geht er an sich vorbei, nur der Zobel zerrt etwas an der Leine. Dann ist diese etwas unangenehme Kurve geschafft. Nach weiteren 200 Metern sieht er ein Schild von hinten. Da dreht er sich beim Vorbeigehen um und liest: „In 200 Metern kommt ihnen ein Mann mit Zobel an der Leine entgegen.“ Jetzt runzelt er noch mehr die Stirn und geht kopfschüttelnd Minigolf spielen.

Erfundene Kindheitsgeschichte

Als wir damals auf dem zugefrorenen Teich Eishockey spielen wollten, hatten wir zwar einige Gerätschaften, die sich als Schläger eigneten, nicht jedoch einen Puk. Steine waren nicht gut genug. Da hatte jemand eine Idee, rannte nach dem Hause und kam mit einer Thunfischdose wieder. Tatsächlich hatte die Dose eine dem gemeinen Puk sehr nahe kommende Physiognomie. Wir hatten gerade angefangen zu spielen, da fing einer der Torhüter die Dose mit einem Baseballhandschuh, kletterte auf einen Baum und aß oben auf einem Ast sitzend den Thunfisch. Die Suche nach einem Ersatz gestaltete sich schwierig. Die einen hatten zuhause keinen Thunfisch, die anderen durften ihn nicht zum Spielen mit rausnehmen. Schließlich spielten wir mit einer trapezförmigen Corned Beef-Dose weiter, die jemand „noch hatte“. Es war aber nicht wie mit einem Puk und bald hatte der Torwart sich ohnehin auch diese Dose geschnappt, mit bekanntem Ausgang. Der Winter ging.

Den Kühen ist sowieso alles egal

Heute war ich wieder den ganzen Tag mit meinem großen Milchtank auf dem Rücken in der Stadt unterwegs (frische Vollmilch vom Regiobauer) und habe sie für 1,50 Euro die Tasse verkauft (wer keine eigene Tasse dabei hatte: 3 Euro Pfand, sowas wie Plastikbecher gibts bei mir nicht). Und was soll ich sagen, die Leute wollen ihre Milch. Aber offenbar nicht von mir. Am Ende war ich etwas wütend und habe relativ wahllos Passanten mit der Milch „kostenlos versorgt“, teils ohne zu fragen. Den Kühen auf der Weide ist sowieso alles total egal.

Ehrenmann

Ich sitz am Schreibtisch und schreibe und trinke einen schönen, frisch aufgeschroteten Kathreiner, da kommt eine Stechmücke geflogen, landet auf dem Rücken meiner linken Hand und während ich einfach weitertippe, die Hand sich also auch bewegt und wackelt, bleibt sie einfach sitzen und gönnt sich. Ich habe das ausnahmsweise durchgehen lassen, denn sie kam am hellichten Tag und mit offenem Visier. Wer wäre ich, einem solchen Ehrenmann nicht wenigstens eine gewonnene Runde im ewigen Kampf Insekten gegen Menschen zuzugestehen.

Die Kolbenflöte

Ich würde bei einem gesellschaftlichen Anlass gerne mal jemanden treffen, der etwas abseits sitzt, allein, und recht infantil auf einer Kolbenflöte spielt. Dann würde ich fragen: Entschuldigen Sie, haben Sie vielleicht auch eine für mich? Da setzt er kurz ab, sagt aber nichts, nickt nur, gibt mir eine und dann vertiefen wir uns in ein längeres, nur aus Tönen bestehendes Zwiegespräch.