Glasbläser

Junge Leute lassen sich heute kaum mehr zum Glasbläser ausbilden. Das ist tatsächlich sehr schade. Das vielleicht interessanteste und eleganteste Handwerk, das ich kenne, das meine ich ausnahmsweise ernst. Was am Ende dabei herauskommt, ist meist scheußlich kitschig, zugegeben, aber der Prozess der Herstellung ist eine Symphonie aus Feuer und fließenden Formen. Aus zäher Glut wird zerbrechliches Glas. Vergleicht man Glasbläser mit Holz- oder Blechbläsern – come on. Und das sage ich als Trompetenbläser. Glasbläser sind die Goldschmiede der Handwerker.

Der Freizeitraum oder Der Rundlauf oder Rundlauf ist mein Leben

In einem einfachen Hotel an der Rezeption fragt eine Frau, wo denn der Freizeitraum sei. „Im obersten Stock, wenn Sie aus dem Fahrstuhl kommen, sind Sie gleich mittendrin. Ich muss Sie aber darauf aufmerksam machen, dass heute Rundlauf ist, das ist nicht jedermanns Sache“, sagt der Küchechef, der gerade vertretungsweise an der Rezeption aushilft. „Rundlauf? Tischtennis?“ – „Jein. Müssen Sie mal sehen, ob das was für Sie ist.“ „Aha, das klingt dubios“, sagt die Frau. Der Küchenchef schält sich eine Orange und nickt. Da fährt die Frau in den obersten Stock, der Fahrstuhl geht auf und sie ist wirklich gleich mittendrin im Rundlauf, der so ziemlich jeder Beschreibung spottet. Etwa 50 Gäste, teils im Bademantel oder sogar nackt, andere mit bizarren Vogel- und Bärenkostümen, laufen um eine etwa 20*10 Meter große Platte und spielen sich mit Tischtennisch-, aber auch Tennis- und Badmintonschlägern, Kehrblechen und Matheheften hunderte von Bällen zu, teils auch besonders laut aufkommende Golfbälle. Als die Frau einige Runden mitgesogen und unter dem Gelächter der Anwesenden mehrmals fintenreich „ausgeguckt“ worden ist, verlässt sie wütend den Freizeitraum und kehrt zur Rezeption zurück, um einige Takte zu diesem „Affenzirkus“ zu sagen. Da steht der drei Meter große Zimmersmann, bekannt aus meinen Geschichten „Die Saftpresse der Leute vom Ort und der Junge“ und „In Zukunft“, an der Rezeption. Der Küchenchef hat ihm wohl gerade einen frisch aufgeschroteten Kathreiner serviert und die Frau hört „…aber da ist heute Rundlauf, das ist nicht jedermanns Sache.“ „Um Gottes Willen, gehen sie dort bloß nicht hin, es ist ganz furchtbar“, ruft die Frau. Da dreht sich der Zimmersmann langsam zu ihr um, trinkt mit einem kräftigen Zug den dampfenden Gemälzten aus, zieht einen gewaltigen Holzschläger mit einem Björn Borg-Autogramm drauf aus seinem Walzsack und schallert mit tiefem Bass: „Rundlauf ist mein Leben.“ Kopfschüttelnd geht die Frau auf ihr Zimmer, das auch mitten im Freizeitraum ist.

Die Person im Touristikbüro einer Kleinstadt und der Biber mit der Kamera auf dem Kopf

Eine Person geht in das Touristikbüro einer Kleinstadt. Es scheint niemand da zu sein, obwohl das Büro geöffnet hat. Gerade blättert die Person durch ein ausliegendes Prospekt, da kommt ein Biber mit einer Kamera auf dem Kopf wie aus dem Nichts. An der Kamera leuchtet eine rote Lampe. Die Person ist vor Schreck aufgesprungen, schaut nun aber – freilich ohne dem Biber allzu nahe zu kommen – in die Kamera und sagt laut „HALLO?!“ Nichts passiert. „HALLO!!!“ sagt die Person wieder, etwas verärgert. Wieder nichts. Da geht die rote Lampe an der Kamera aus und der Biber verschwindet so plötzlich wie er gekommen ist. Die Person wartet noch einige Minuten vergebens auf eine Erklärung und geht dann auch. Vorher schreibt sie noch in ein ausliegendes Gästebuch: „So nicht!“

Die Vorhersage

Ein Mann stürmt auf einen Spielplatz und ruft: „Die Katze wird in den Sandkasten machen!“ Die Kinder schauen interessiert, die Eltern ängstlich. Der Mann wirkt aufgeregt und wiederholt immer wieder, was die Katze machen wird. Die Eltern nehmen ihre weinenden Kinder an die Hand und gehen lieber. Auch die Passanten, die am Spielplatz vorbeigehen oder auf Bänken sitzen, bedrängt der Mann mit seiner Vorhersage, bis alle kopfschüttelnd weggehen.

Da ist niemand mehr da außer dem Mann. Eine Wolke zieht vor die Sonne. Mit verzerrtem Gesicht geht er in die Hocke, senkt den Kopf und wiederholt leise „die verdammte Katze wird in den Sandkasten machen.“ Da geht er gekrümmt, seinen Bauch haltend, in den Sandkasten, zieht seine Hose herunter und macht.

Der Mann ist die Katze.

Der junge Hannibal

Der junge Hannibal ist mit seiner Elefantenherde in den Bergen,da klettert einer der Dickhäuter irgendwo weit nach oben weg und trompetet um Hilfe. Seufzend klettert ihm Hannibal hinterher und findet sich plötzlich in einer Höhle wieder, in deren Mitte ein brennender Busch steht. Und da hört Hannibal: „Zieh Deine Schuhe aus, denn Du stehst auf heiligem Grund.“ Schnell zieht der sonst eigentlich nicht so hasenfüßige H. seine Lederschuhe aus und fragt, nachdem er einige Male geschluckt hat: „Wer bist du?!“ Da spricht die Stimme: „Ich bin der Ich bin.“ – „Wer denn?!“ – „RUHE. Ich habe eine Aufgabe für Dich. Stelle ein Heer auf, marschiere nach Italien und vernichte Rom, bevor es meinem Volk einmal großen Schaden zufügt.“ – „Welches Volk.“ – „Das geht Dich garnichts an.“ – „Und was springt für mich dabei raus, Busch?“ – „Wenn Du Erfolg hast, lasse ich Dich 500 Jahre alt werden, kaufe Dir 100 zusätzliche Elefanten und Dein Name wird für alle Zeiten den allerbesten Klang haben.“ – „Und wenn ich es nicht schaffe?“ – „Dann wird Dein Name in Zukunft mit einem schrecklichen Unhold und Menschenfresser in Verbindung gebracht werden, der allerdings hochintelligent und irgendwie auch sympathisch ist und über den Filme und Serien gedreht werden werden.“ – „Also eine Art Win-Win?“ – „Ja.“ – „Bin dabei.“