Fiktiver Brief von Herrn Sesam an eine ihm bekannte Person

Hallo mir bekannte Person,

ich weiß, was Du jetzt als erstes denken wirst. Und so ist es auch. Ich habe lange Dir nicht geschrieben, ich habe es teils selbst verschuldet, teils sind mir diese wichtigen Dinge durchgerutscht, irgendwo um die Ecke gegangen, Du kennst mich.

Was Du als nächstes denken wirst, errate ich nicht. Ich lag nackt in einem kleinen Bach, so klein, dass das Wasser sich an meinem Kopf und meinen Schultern staute oder seitlich auf die Wiese lief. Dann begann das Wasser langsam über mein Gesicht zu laufen, aber ganz sanft. Ich hatte das Gefühl, ich hätte zusätzlich zu den eisigen Temperaturen eine kühlende Gesichtsmaske aufgetragen. Ich hörte auf, mit dem Kopf zu atmen, streckte meinen Bauch in die Höhe, der auch dünn mit fließendem Wasser bedeckt war, nun aber herausragte, und mit einem lauten Zischen bließ ich Luft aus den Lungen und mit einem kräftigen Zug neue ein.

Nicht mal Du wusstest es, nicht wahr? Ich kann auch mit dem Bauchnabel atmen. Oft habe ich es früher in der Kindheit in der Badewanne getan, aber Du weißt wie groß ich geworden bin und wie ich schon früh in die normal großen Wannen, wie sie in den meisten einfachen Bädern verbaut werden, nicht mehr hineinpasste. Ich würde sogar so weit gehen, dass ich mit dem fortschreitenden Alter wasserscheu wurde. Nur manchmal überkommt mich die Lust, meinen Spaut mal so richtig freizupusten und meine Lungen ganz zu füllen. Denn das wissen nur wenige, und es ist keine meiner eher unwahrscheinlichen Vorgaben: der normale Mensch tauscht bei einem ebensolchen Atmer nur etwa 15% der Luft in der Lunge aus, die Wale und ich und vielleicht noch 3-4 andere Menschen in der Welt, ich weiß es nicht, hingegen mit einem einzigen Atmer 80-90%.

Oder wusstest Du es doch? Kam Dir bei den wenigen Malen, wo wir uns nackt beieinander aufhielten, etwas seltsam vor an meinem Bauchnabel? Jetzt weißt Du es jedenfalls. Diese Menge an Sauerstoff, die durch diese Atmung für einige Minuten den Körper durchflutet, versetzt auch das Gehirn in unwahrscheinliche Aktivität. Allerdings bei gleichbleibender Unlust, es akribisch zu nutzen. Du weißt, wie ungern ich mir Dinge vollständig aneigne. Lieber von manchem wenig als von allem viel. Und leise, leise, und die Leute sollen nicht reden oder so, dass ich sie nicht verstehe.

Aber wie geht es Dir?

Mit den allerbesten Grüßen und Wünschen, immer Dein Herr Sesam

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