Gewürze: Petersilie

„Ah, eh, oh, Prezzemolo.“ So singt und klingt es nicht nur zwischen Latium und den Abruzzen. Schon die alten Römer kannten das Petergrün als Garant der schmacklichen Tellerspeisen. Ob Paste oder Peste, mit Petersilie munden sogar Reste. Auf frühlingsumwitterten Bienenwiesen, aber auch zwischen den quarzhaltigen Schiefersteinen der Macchia, gedeiht es, kraus wie glatt. Wir wollen das edle Unkraut beim Namen nennen und es auf dem Wochenmarkt als erstes kennen.

Gewürze: Kreuzkümmel

Kreuzkümmel, dein Versprechen atmet den Sand der fernen Wüstenvölker. Geheimnisse umwitterten seine Herkunft, als er mit strengem, heisernem Geschmack die Küche Persiens bis an den Arno für immer veränderte. Erste Palästinenser entstanden. Heute geht der Kampf um den Hoummous in jede neue Runde. Wie konnten wir dir nur die Schuld geben, edler Cumin? Wir wollen Tacos mit dir würzen und oft die Nasenhaare kürzen.

Gewürze: Zimt

Uralte Baumäste der endlosen Sommernächte, an den würzigen, trockenen Hängen der mittleren Gestaden, am Ende und doch am Anfang der Zeit, hörnten ihre Rinden und wurden fest. Im Schein der Monde und durch die Rufe der bußfertigen Lemuren befreit, schwangen sich die Affen der Alten Welt zu den Armen der Riesen und rollten ihre Haut zu hölzernem Duftklang aus Bergschmack und Zerblatt. Durch den Nebel, und nur durch den Nebel. Zu den Schiffen. Zur See. Auf Zehen- und Messerspitzen nähern wir uns deiner Macht. Und in die Töpfe, in die Köpfe. Wer bist du nur? Auch mitten in unser Herz. Zimt.

Gewürze: Basilikum

Basilikum, was bist du für ein habener Hervor? Hoch, ja hoch, war der Wind, der dich zu den Tomaten trug. Erste Empfindungen entstanden. Da, oh Gott. Was ist nur deine Besonderheit? So satt, so gern, kann ich dich mal anrufen? Du bist doch sofort da und sagst: ja ich schmeck‘ nach dem Gefühl, das wir hatten, oh Spaghettin. Aber was! Gut auch! Ton und Symphonie, das große Linguoi. Heidernaus! Ich halte deine Ewigkeit kaum aus.

Gewürze: Estragon

Estragon, dein Geheimnis ist doch ein Versprechen. Einst trocknetest du im Mondschein unter den sonderbar blauen Albastern der Ägäis. Doch erst, als der große Filetbarsch an Land kam, um die Küche für immer zu verändern, war deine Partitur voll aufgeschlagen. Dein minthell angestimmter, kräuterwieselnder Gesang öffnete die Geschmacksknospen der Küstenvölker wie eine Lotusblüte. Eintöpfe entstanden. Doch auch als Sauce kannst du nur verwöhnen. Wir wollen Estragon stets haben und uns an grünen Eiern laben.

Gewürze: Kümmel

Kümmel, du bist doch ein großartiger Kollege. In einem Land vor unserer Christuszeit schoßt du einst aus lehmigem Grund, betratst den Raum und warst geschmacklich sofort da. Ob backgewerkte Seelen oder Laibe, Kochhäfen voll schwerem Kohl oder handgemengter Obatz: seine Note ist kräftige Musik, seine Stimme durchdringt das Mahl mit wuchtigem Jenun, die Verdauung konnte beginnen. Wir wollen mit Kümmel rascheln und hin und wieder einen Samen von der Hand nascheln.

Gewürze: Thymian

Thymian war der Dosenöffner, der den Thunfisch auf die Halbinsel verstreute. Wo er aus heiterem, und doch angesagten Himmel seinen Regen hat, dampft die Kohlspeise in ihr ätherisches Arabikum. Doch auch die Verdauung wird erregt. Was hast du nur gemacht, edler Thym, ich kann schon wieder. Wir wollen die Strenge des Thymians mögen.