Blogbuch: Nicht auf den Leim gehen

Ich lese in den letzten Tagen häufig, die Flüchtlingszahlen seien ja schon länger eher niedrig, deshalb seien die CSU-Manöver der Zurückweisung an der Grenze auf Basis von Obergrenzen und sonstigen Plänen, die das Recht auf Asyl (und damit die Pflicht es zu gewährleisten) gezielt in Frage stellen, so besonders absurd. Diese aktuelle argumentative Kampflinie scheint mir äußerst fragwürdig. Nicht nur wegen des Türkeideals, zu dessen Verkommenheit man wohl nicht viel sagen muss. Deutschland sollte, könnte, in meinen Augen muss sogar sehr viel mehr Flüchtende aufnehmen, auch in Zeiten, in denen mehr Menschen hier Schutz und Überleben suchen sollten als jetzt oder in der Vergangenheit, was auf ekelhaft menschenfeindliche Weise als „Flut“, „Ansturm“ usw bezeichnet wurde. Das Land war nur aufgrund mangelhafter Planung und natürlich ungenügendem Willen überfordert. Die Politik hat Angst vor, die Medien richten sich nach dem Teil der hiesigen Bürger, die sich fieberhaft in eine Ausländerfeindlichkeit hineingesteigert haben und die sozial Schwache gegen Flüchtende ausspielen. Das alles gilt es klar und immer wieder zurückzuweisen. Die Forderung muss doch ganz klar sein: Die Politik dieses auf so viele Weisen privilegierten Landes muss Lösungen liefern, auch was den Schutz vor Terrorismus und andere Probleme betrifft, aber auf Basis der Bereitschaft, der Pflicht – wenn man schon nicht in der Lage ist, freiheitliche Werte gemeinsam mit Verbündeten außerhalb Europas gegen Schlächter, Religionsfaschisten und Diktatoren auch militärisch auszufechten – wenigstens sovielen Kriegs- und Terrorflüchtenden wie möglich und nötig zu helfen. Dahinter nicht zurückfallen.

Blogbuch: Expertengewäsch

„Die größte körperliche und ideologische Gefahr für Juden in Deutschland und Westeuropa geht momentan vom Islam aus. Natürlich darf man nicht alle Muslime brandmarken, diese Verallgemeinerung muss vermieden werden – aber nicht auf Kosten der Tatsachen.“ (Michael Wolffsohn)

Mal unabhängig von der These. Ich kann diesen ganzen Stil einfach nicht ertragen von diesen Experten wie Wolffsohn, Mansour, wie sie alle heißen bei dem Thema. Irgendeinen seltsam formulierten Superlativ mit schwammigen Begrifflichkeiten postulieren, dann in lehrerhaftem Ton selbst relativieren, und sich dann auf nicht näher genannte Tatsachen berufen. Auch so gesellschaftliche Posten, die wahrscheinlich jetzt schon durchschnittlich gut programmierte Computerprogramme besser besetzen können, sonst halt irgendwelche Gymnasiasten.

Verfassungspatriotismus

Verfassungspatriotismus be like: ich mag Deutschland nicht in einem völkischen oder nationalistischen Sinne, sondern bin begeistert von der Erfolgsgeschichte der demokratischen Bundesrepublik, dem Grundgesetz, dem kaum anderswo erreichten hohen Standard an universellen Menschenrechten. In diesem Sinne bin ich stolz, ein Deutscher zu sein. Heil Hitler.

SZ-Redaktionssitzung

Idee für eine Redaktionssitzung bei der SZ wegen der neuerlichen Antisemitismusvorwürfe

A: „Also, wie sollen wir auf die Vorwürfe reagieren.“
B: „Bedauern.“
A: „Was.“
B: „Wenn es jemand falsch verstanden hat, wenn sich jemand verletzt gefühlt hat und sowas.“
C: „Was ist an der Karikatur eigentlich so schlimm.“
D: „Eben.“
A: „Naja…“
B: „Israel, das mit dem Davidstern.“
C: „Was. Das ist nunmal die Flagge Israels.“
B: „Ja, da war wohl wieder was mit den Ohren von Netanjahu.“
C: „Wieso, ach Quatsch ist das wieder. In jeder Karikatur werden Gesichter überzeichnet.“
D: „Sehe ich auch so. Total übertrieben.“
C: „Es war vor allem, es ist ja auch so. Alles voller Israel beim ESC, die zeigten ja nurnoch Israelfahnen am Ende. Ich hab meiner Frau auch gesagt, wo sind wir hier, in Jerusalem oder wie.“
D: „Schreckliches Lied auch.“
A: „Gut, also das ist jetzt nicht…also es ist wohl auch, dass die Symbolik, also dass da Raketen, Gewalt vom Juden, also von Israel ausgeht, und der Davidstern im Eurovision-Schriftzug, als wäre der in jüdischer Hand. Das ist vielleicht…“
B: „Ja..“
C: „Israel, nicht Juden.“
A: „Naja, Israel…“
C: „Das ist eindeutig Kritik an politischer Einflussnahme.“
B: „Beim ESC.“
D: „Instrumentalisierung. Ich sage nur Instrumentalisierung.“
C: „Netanjahu will Krieg. Und er nutzt jede Propaganda.“
A: „Naja. Ja, aber das ist alles ein bisschen schwierig. Israel, Juden…“
C: „Die Jud…Israel tötet wieder Palästinenser, während alle den ESC feiern.“
D: „So ist es.“
B: „Ja, aber das ist ja auch komplexer.“
C: „Netanjahu mordet und Europa feiert.“
D: „Genau. Trump auch.“
C: (nickt)
A: „Also ich weiß nicht, einerseits ja, andererseits ist diese Ikonographie, wie ich las…“
C: „Alles Quatsch.“
D: „Trump! Israel mordet.“
B: „Also ich meine auch, wenigstens bedauern.“
A: „Könnte man sich auf bedauern einigen, man muss sich ja nicht distanzieren.“
C: „Sehe nichts zu bedauern.“
D: „Bedauern kann man machen, und was Kritisches zu der Siedlungsproblematik.“
A: „Das ist ja jetzt gerade nicht…“
D: „Ich mein ja nur.“
B: „Also Mehrheit für Bedauern für etwaige Missverständnisse.“
A: „Gut.“
C: „Kein Kommentar.“
D: „Kann ich mit leben.“

Blogbuch: Atomdeal

Während Israel tonnenweise Material ranschafft, um noch und nöcher zu beweisen, was sowieso jeder, der sich nicht permanent selbst belügt, schon wusste, nämlich dass der Iran Atomwaffen anstrebte und das auch heute noch tut (wir erinnern uns, der Iran will den Judenstaat vernichten, betont dieses Vorhaben bei jeder Gelegenheit), zeigt sich die Regierung Merkel nun umso besorgter, dass die USA aus dem „Atomdeal“ aussteigen könnten, der nicht im Mindesten etwas an den entsprechenden iranischen Ambitionen geändert hat. Eindrücklicher als in diesen Tagen wird wohl nicht mehr vorgeführt, was „Atomdeal“ aus Sicht der Bundesregierung wirklich heißt: ihr macht da euer Atomprogramm ein bisschen geheim und wenn ihr irgendwann Israel vernichten wollt, bitte, aus historischen Gründen könnt ihr da von unserer Seite aber nicht auf Unterstützung hoffen. Oder jedenfalls nicht direkt. Wir können aber gerne munter Handel miteinander treiben, da haben ja auch alle was davon.

Blogbuch: Putinfreunde

Gerade besonders angesagt bei Putinfreunden und -apologeten ist eine abgewandelte Form von „Thanks Obama/Danke Merkel“, die üblichen Witze dieses Genres („Schlechtes Wetter? Das muss Putin gewesen sein“) wollen vor allem die Morde des Putinregimes sekundierend unterstützen und sind de facto Teil der neuesten Desinformations- und Nivellierungskampagne des Kremls. Aber wen will diese programmatische Dummheit wundern: während in staatlich kontrollierten russischen Medien Mordanschlagsopfer explizit als „Verräter“ verhöhnt werden, „die meistens keine hohe Lebenserwartung haben“, gleichzeitig aber Verschwörungstheorien über Täter aus dem Westen verbreitet werden, stellen sich deutschsprachige Kommentatoren eben hin und sagen sinngemäß: „ja klar, ein russischer Dissident wurde vom Putinregime vergiftet, und ich bin der Kaiser von China“. Das ist der eigentliche Reiz des Dabeiseins bei dieser putin’schen Sache. Ein „zu plump“ gibt es nicht mehr, die Leute, denen einfach nichts zu dumm ist, sind wieder eingeladen, Teil einer sehr großen Bewegung zu sein.

Blogbuch: PoMo-Kritiker

Besonders komisch an verschiedenen und sich doch oft sehr ähnelnden Gegenbewegungen zur Postmoderne (hier schlicht das Feindbild, an dem sich abgearbeitet wird) ist der Versuch, dem eine strenge Schärfe des Denkens entgegenzuhalten, die aber vor allem Ressentiment und Wut als Motor erkennen lässt, die jeweils rein subjektiv wohl mit großem Erfolg, objektiv betrachtet aber oft nur peinlich verschroben rationalisiert wird. Besonders klar wird in deren Ausführungen eigentlich immer nur, was sich gegen wen bäuchlings bzw auf einer emotionalen, sehr gerne persönlichen Ebene angestaut hat und was abgereiert werden muss; dann findet man in dem wütend Erbrochenen vielleicht ein paar nachvollziehbare Argumentbröckelchen gegen etwas oder jemanden, aber vor allem die persönlichen Unverdautheiten desjenigen und jede Menge Magensaft.