Blogbuch: Putinfreunde

Gerade besonders angesagt bei Putinfreunden und -apologeten ist eine abgewandelte Form von „Thanks Obama/Danke Merkel“, die üblichen Witze dieses Genres („Schlechtes Wetter? Das muss Putin gewesen sein“) wollen vor allem die Morde des Putinregimes sekundierend unterstützen und sind de facto Teil der neuesten Desinformations- und Nivellierungskampagne des Kremls. Aber wen will diese programmatische Dummheit wundern: während in staatlich kontrollierten russischen Medien Mordanschlagsopfer explizit als „Verräter“ verhöhnt werden, „die meistens keine hohe Lebenserwartung haben“, gleichzeitig aber Verschwörungstheorien über Täter aus dem Westen verbreitet werden, stellen sich deutschsprachige Kommentatoren eben hin und sagen sinngemäß: „ja klar, ein russischer Dissident wurde vom Putinregime vergiftet, und ich bin der Kaiser von China“. Das ist der eigentliche Reiz des Dabeiseins bei dieser putin’schen Sache. Ein „zu plump“ gibt es nicht mehr, die Leute, denen einfach nichts zu dumm ist, sind wieder eingeladen, Teil einer sehr großen Bewegung zu sein.

Blogbuch: PoMo-Kritiker

Besonders komisch an verschiedenen und sich doch oft sehr ähnelnden Gegenbewegungen zur Postmoderne (hier schlicht das Feindbild, an dem sich abgearbeitet wird) ist der Versuch, dem eine strenge Schärfe des Denkens entgegenzuhalten, die aber vor allem Ressentiment und Wut als Motor erkennen lässt, die jeweils rein subjektiv wohl mit großem Erfolg, objektiv betrachtet aber oft nur peinlich verschroben rationalisiert wird. Besonders klar wird in deren Ausführungen eigentlich immer nur, was sich gegen wen bäuchlings bzw auf einer emotionalen, sehr gerne persönlichen Ebene angestaut hat und was abgereiert werden muss; dann findet man in dem wütend Erbrochenen vielleicht ein paar nachvollziehbare Argumentbröckelchen gegen etwas oder jemanden, aber vor allem die persönlichen Unverdautheiten desjenigen und jede Menge Magensaft.

Blogbuch: Skandal der Skandale

Ein Buch will ich im Rahmen der Deutschlandmesse in Leipzig aber doch noch kurz anklingen lassen. Der große Schwafler, gerne in Talkshows wie Lanz auftretende und klinische Buchautor Manfred Lütz, u.a. „Vatikanberater“, gemeint ist Apologet und zivile PR-Drohne der Papisten bei Herder, teils auch schon als Comedian aufgetreten, hat das aber ernstgemeinte Buch „Skandal der Skandale. Die geheime Geschichte des Christentums“ verfasst. Also würde der urkomische Titel nicht reichen, ist der Skandal, den er nach sagenhafter, zweijähriger Recherche und natürlich auf dem „neuesten Stand der Forschung“ herausgearbeitet hat, dass niemand weiß, dass das Christentum einfach super ist *heiteres, befreites Lachen* und dass das Schlechte, was man ihm nachsagt, einfach alles falsch verstanden ist. Denn in der Geschichte waren die weniger guten Dinge immer vom Staat begangen und von der Kirche stets, wenn auch teils erst später, kategorisch abgelehnt und auch abgeschafft worden. Die Leute werden es kaufen wie geschnitten Brot. Ich hoffe, dieses eine kurze Beispiel darf als Beleg schon reichen, dass die kleinen rechten Verlage doch garnicht die schlimmsten sind.

Wie schwer kann es sein

Wie schwer kann es wohl sein, bei Diskussionen zum Thema Flüchtlinge und Abschiebungspraxis in Israel sich gegen bösartige, weil antisemitisch motivierte Vereinnahmung auszusprechen (das alte Lied von den Juden, die nichts gelernt hätten und jetzt auch brutal „deportieren“), und zugleich davon auszugehen, dass die Erfahrung von Entrechtung und Deportation im Holocaust, wenn auch nicht ohne weiteres zu vergleichen, so doch eine Haltung hervorgebracht haben kann, auf die sich Menschen in der Diskussion beziehen wollen, ohne antiisraelisch oder antisemitisch zu sein?

#metoo: „Hexenjagd“

Es ist wirklich garnicht so einfach, ein noch größeres Arschloch zu sein als mit der Behauptung, metoo sei mittlerweile eine Hexenjagd (!) gegen Männer. Ganz abgesehen von dem normalen Gegenangriff und der impliziten Behauptung, sexuelle Übergriffigkeit und ebensolcher Machtmissbrauch seien schlicht Phantomprobleme, werden auch brutale Entrechtung und Mord mal eben gleichgesetzt mit ein bisschen schlechter Presse und einem kleinen Karriereknick (wenn überhaupt).

Fette Falschheit

Wenn Leute in hiesigen Kommentarspalten mahnen, man solle sich erstmal generell nicht in fremde Angelegenheiten mischen, es sei immer besser abzuwarten, man solle sich nicht zu früh über revolutionäre Bewegungen freuen, man wisse ja nicht, was danach käme und sowieso, man müsse sich ja nur den arabischen Frühling anschauen, da sei ja auch alles in die Hose gegangen, sowieso viel zu sehr da engagiert usw. Dann bin ich so müde von diesen selbsterfüllenden Prognosen, unterlassenen Hilfeleistungen und wahr werdenden Lügen, von dieser fetten Falschheit der deutschen Nachkriegsgewinnler und ihrer blasierten Nachkommen. Ihr Verständnis und ihr Gefasel von Frieden und universellen Menschenrechten ist das Papier nicht wert, auf das es pausenlos gebracht wird. Bäh.

Der Mittelmensch

Neben dem Gutmensch, der besoffen und berauscht ist von linkskitschigen Idealen, Helfersyndromen usw, die ihn zum totalitären Meinungsterroristen machen und dem Schlechtmenschen, der ebenso berauscht ist von der Idee, anderen seine plumpen Ressentiments und Egoismen als liberale und aufklärerische Aktion wider den Zeitgeist zu verkaufen, gibt es natürlich auch den benebelten Mittelmenschen, der einfach seinen Job macht, Feuerwehr und Polizei dankt, nicht das billigste, aber auch nicht das teuerste Fleisch kauft, der nicht zuviel, aber auch nicht zu wenig Auswahl hat, in gesellschaftlichen Diskussionen Vernunft walten lässt und Dialog anmahnt, für eine Zwei-Staaten-Lösung ist und Skispringen guckt.