Botschaft nach Jerusalem

Oh nein, die USA verlegen ihre Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem. *UN-resolutions-geräusche mach – wenn in der nahöstlichen Nachbarschaft Millionenstädte eingeäschert werden, wird von entsprechender Seite natürlich deutlich weniger protestiert. Ich kann meine Verachtung für die antisemitische Empörung über diese Hauptstadtfrage kaum in Worte fassen.

Laberbude Generalversammlung

Wer verstanden hat, dass die ständigen Anti-Israel-Resolutionen der UN im Angesicht der ungezählten anderen Konfliktherde, die dort ignoriert werden, klar zu verurteilen und abzulehnen sind, jedoch trotzdem an der aktuellen US-Vertretung unter Trump bemängelt, dass im Vorfeld der ungeheuerlichen Jerusalem-Abstimmung mit dem Zudrehen von Geldhähnen gedroht wurde, was „undemokratisch“ sei, hehe – der sollte, nur falls noch nicht geschehen, sich auf jeden Fall einmal anschauen, was es sich die USA kosten lässt, diesen Club, in dem Vertreter von Diktaturen den Demokratien laut lärmend auf dem Kopf herumtanzen, zu finanzieren. Nämlich über ein Fünftel des Gesamtbudgets der UN allein in Bezug auf die Pflichtbeiträge, die aber nur so heißen. Letztlich kann jeder entscheiden, wieviel er bezahlt, und dabei liegen viele andere unter dem, was anteilig angebracht wäre. Trump hin oder her, ich würde an deren Stelle den Sicherheitsrat und ein paar sinnvolle Unterorgane finanzieren und für die antisemitische Laberbude UN-Generalversammlung auch den Geldhahn zudrehen. Ganz klar.

Die drei ??? und die AfD

Justus, Bob und Peter sitzen in der Zentrale, als Onkel Titus die schlechte Nachricht überbringt. Die AfD ist in Rocky Beach ins Stadtparlament gewählt worden. Skinny Norris und seine Spießgesellen werden jetzt Oberwasser haben. „Ich kann einfach nicht glauben, dass die AfD wirklich gewählt wurde“, sagt Bob. Peter leicht hysterisch: „Wir müssen doch irgendwas machen!!“ „Tja Freunde“, sagt Justus nachdenklich, „mich wundert das alles nicht.“ Bob: „Stimmt, Just. Du hast es vorhergesehen.“ Justus nickt, aber zerknirscht, so als wäre er damit unzufrieden, es gewusst zu haben. Plötzlich hellt sich seine Miene auf. „KOLLEGEN!“ – Peter: „Was IST DENN?? Spann uns nicht wieder so auf die Folter!!“ – „Wir haben immer überlegt, was wir gegen Skinny Norris und seine AfD machen sollen.“ – „Ja! Und???“ – „Wir müssen uns mit ihnen auseinandersetzen!“ – „Mit Skinny?!“ – „Na klar. Hey Peter, er ist doch auch sportlich. Du könntest ihn im Sport besiegen.“ – „Mensch. Na sicher.“ – „Ja!! Und ich geh in die Bibliothek und werde mal sehen, was sich über Skinny Norris finden lässt.“ – „Super, Bob.“ – „Und was machst du?“ – „Ich? Ich vertraue auf das, was ich am besten kann.“ – „Und was ist das?“ – „Na Recht haben.“ Alle lachen.

Ins Land holen

„Ins Land holen“, „hätte sie (Merkel) doch garnicht nötig gehabt“, nichts weiter als populistisches Gewäsch, das ein plumpes, gedanken- und geistloses Wutbürger-Narrativ der ganzen Geschehnisse und Verantwortlichkeiten übernimmt. Die gut-bürgerliche, immer mit dem Bauch über den Boden schrammende Meinung und dazugehörige rhetorische Kleidung Lagerfelds, auch in Bezug auf den Holocaust und zeitgenössische Judenfeindschaft nicht „erfrischend“, sondern verblödet. Erzähle mir doch keiner, er habe eine Diskussion anstoßen wollen. Welche soll das sein. Eine über viel schärfere und entschlossenere Strafverfolgung von Judenhass in Deutschland und Europa? Eine über echte und tatkräftige Solidarität mit dem Staat der Holocaustüberlebenden in Zeiten von Deals mit Erdogan und den Mullahs? Meinetwegen auch eine über dezidiert islamischen Judenhass? Och bitte. Wer ganz aufgeregt von „Millionen schlimmster Judenfeinde“ spricht, Flüchtlinge irgendwie, Muslime jedoch ganz bestimmt meint, die garnicht hätten „geholt“ werden müssen, weil doch schon Millionen (da sind sie wieder) gut integrierter Migranten (von denen bekanntlich auch viel Muslime sind) da seien, was weniger oft mitzitiert wird, hat einfach irgendeinen wirren, ein- bis zweidrittel halbfalschrichtigen Scheiß erzählt. Da muss man dann schon genau hinschauen, wer sich alles dafür „bedankt“. Und für was.

Kurz zu „aushalten“

Zu einer antirechten Haltung und was diese im Einzelnen an Handlungen zwingend nötig macht, dazu gibt es keinen gesellschaftlichen Konsens, bis weit in liberale und linke Kreise hinein nicht. Das klassische „Links- und Rechtsextremisten sind gleich schlimm“ liest man bei letzteren freilich weniger häufig, dafür aber immer gerne „andere Meinungen muss man aushalten, so schwer das auch ist“. Das mit dem Aushalten ist aber interessant. Meiner Wahrnehmung nach ist eigentlich genau das Gegenteil der Fall. Wenn jemand – häufig jemand der es sich leisten kann, weil er zur Mehrheitsgesellschaft gehört und nicht ganz oben auf der Abschussliste rechter Menschenfeinde steht – rechte Agitation als Meinung „aushält“, will er in Wahrheit nur seine Ruhe und nicht in die Verlegenheit geraten, eine Haltung zu haben. Eine solche muss man nämlich wirklich aushalten. Man muss den Gegenwind und den Hass aushalten, man muss die Widersprüche kennen und aushalten, die sich im Einsatz für eine pluralistische Gesellschaft gegen deren Gegner auftun. Man muss aushalten können, dass es richtig und falsch gibt. Man muss es aushalten können, rechte Meinungen klar und begründet zurückzuweisen und konkrete Handlungen davon abzuleiten, auch wenn sie wehtun.

Israel und die AfD

Dass Israelsolidarität Staatsräson sei, ist bekanntermaßen und vor allem auch unter Regierungsbeteiligung der in Teilen antiisraelischen SPD, erstmal eine reine Behauptung, deren konkreten Gehalt man immer neu hinterfragen muss. Dass Teile der ich sag jetzt mal israelsolidarischen Szene, deren Vorstellungen von Solidarität ja auch sehr weit auseinandergehen, jetzt Gauland dafür loben, darauf hingewiesen zu haben, dass es ja auch mal um Kriegsbeteiligung gehen könnte und man schon mal prinzipiell klären sollte, wie man dazu stehe, finde ich vor allem deshalb so komisch, weil er im Nachgang der PK-Äußerung in der FAZ genau so um die Fragestellung herumeiert, wie es in weiten Teilen der Politik üblich ist. Nein, er hat nicht dazu aufgerufen, die Solidarität zu beenden. Er hat aber eben auch nicht dazu aufgerufen, sie entschlossener zu betreiben. Auf mehrmalige Nachfrage des Journalisten rang er sich zu der Aussage durch, dass er, wenn die Juden wirklich ins Meer getrieben würden, an der Seite Israels stehen würde. Hochkomisch, diese auch als angekündigte Sterbebegleitung lesbare Gaulandsolidarität, bei der man sich fragt, ob man dann nicht doch lieber Papiertiger bevorzugt. In der Region ist übrigens ständig Krieg, weiß Gauland. Und, wie ich ergänzen möchte, erst gestern wieder, antisemitischer Mord im israelisch-palästinensischen Alltag. Offensichtlich kein Grund, sofort in jeder nur erdenklichen Tat mit Israel solidarisch zu sein, dazu laut aufzurufen, sondern vo einem Gefühl zu raunen, das Volk wolle Israel garnicht unterstützen. Ja aber selbstverständlich nicht. Deshalb ist der Kampf für Israel ja so wichtig. Mit einem Gauland natürlich nicht zu gewinnen.