Blogbuch: Skandal der Skandale

Ein Buch will ich im Rahmen der Deutschlandmesse in Leipzig aber doch noch kurz anklingen lassen. Der große Schwafler, gerne in Talkshows wie Lanz auftretende und klinische Buchautor Manfred Lütz, u.a. „Vatikanberater“, gemeint ist Apologet und zivile PR-Drohne der Papisten bei Herder, teils auch schon als Comedian aufgetreten, hat das aber ernstgemeinte Buch „Skandal der Skandale. Die geheime Geschichte des Christentums“ verfasst. Also würde der urkomische Titel nicht reichen, ist der Skandal, den er nach sagenhafter, zweijähriger Recherche und natürlich auf dem „neuesten Stand der Forschung“ herausgearbeitet hat, dass niemand weiß, dass das Christentum einfach super ist *heiteres, befreites Lachen* und dass das Schlechte, was man ihm nachsagt, einfach alles falsch verstanden ist. Denn in der Geschichte waren die weniger guten Dinge immer vom Staat begangen und von der Kirche stets, wenn auch teils erst später, kategorisch abgelehnt und auch abgeschafft worden. Die Leute werden es kaufen wie geschnitten Brot. Ich hoffe, dieses eine kurze Beispiel darf als Beleg schon reichen, dass die kleinen rechten Verlage doch garnicht die schlimmsten sind.

Wie schwer kann es sein

Wie schwer kann es wohl sein, bei Diskussionen zum Thema Flüchtlinge und Abschiebungspraxis in Israel sich gegen bösartige, weil antisemitisch motivierte Vereinnahmung auszusprechen (das alte Lied von den Juden, die nichts gelernt hätten und jetzt auch brutal „deportieren“), und zugleich davon auszugehen, dass die Erfahrung von Entrechtung und Deportation im Holocaust, wenn auch nicht ohne weiteres zu vergleichen, so doch eine Haltung hervorgebracht haben kann, auf die sich Menschen in der Diskussion beziehen wollen, ohne antiisraelisch oder antisemitisch zu sein?

#metoo: „Hexenjagd“

Es ist wirklich garnicht so einfach, ein noch größeres Arschloch zu sein als mit der Behauptung, metoo sei mittlerweile eine Hexenjagd (!) gegen Männer. Ganz abgesehen von dem normalen Gegenangriff und der impliziten Behauptung, sexuelle Übergriffigkeit und ebensolcher Machtmissbrauch seien schlicht Phantomprobleme, werden auch brutale Entrechtung und Mord mal eben gleichgesetzt mit ein bisschen schlechter Presse und einem kleinen Karriereknick (wenn überhaupt).

Fette Falschheit

Wenn Leute in hiesigen Kommentarspalten mahnen, man solle sich erstmal generell nicht in fremde Angelegenheiten mischen, es sei immer besser abzuwarten, man solle sich nicht zu früh über revolutionäre Bewegungen freuen, man wisse ja nicht, was danach käme und sowieso, man müsse sich ja nur den arabischen Frühling anschauen, da sei ja auch alles in die Hose gegangen, sowieso viel zu sehr da engagiert usw. Dann bin ich so müde von diesen selbsterfüllenden Prognosen, unterlassenen Hilfeleistungen und wahr werdenden Lügen, von dieser fetten Falschheit der deutschen Nachkriegsgewinnler und ihrer blasierten Nachkommen. Ihr Verständnis und ihr Gefasel von Frieden und universellen Menschenrechten ist das Papier nicht wert, auf das es pausenlos gebracht wird. Bäh.

Der Mittelmensch

Neben dem Gutmensch, der besoffen und berauscht ist von linkskitschigen Idealen, Helfersyndromen usw, die ihn zum totalitären Meinungsterroristen machen und dem Schlechtmenschen, der ebenso berauscht ist von der Idee, anderen seine plumpen Ressentiments und Egoismen als liberale und aufklärerische Aktion wider den Zeitgeist zu verkaufen, gibt es natürlich auch den benebelten Mittelmenschen, der einfach seinen Job macht, Feuerwehr und Polizei dankt, nicht das billigste, aber auch nicht das teuerste Fleisch kauft, der nicht zuviel, aber auch nicht zu wenig Auswahl hat, in gesellschaftlichen Diskussionen Vernunft walten lässt und Dialog anmahnt, für eine Zwei-Staaten-Lösung ist und Skispringen guckt.

Botschaft nach Jerusalem

Oh nein, die USA verlegen ihre Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem. *UN-resolutions-geräusche mach – wenn in der nahöstlichen Nachbarschaft Millionenstädte eingeäschert werden, wird von entsprechender Seite natürlich deutlich weniger protestiert. Ich kann meine Verachtung für die antisemitische Empörung über diese Hauptstadtfrage kaum in Worte fassen.

Laberbude Generalversammlung

Wer verstanden hat, dass die ständigen Anti-Israel-Resolutionen der UN im Angesicht der ungezählten anderen Konfliktherde, die dort ignoriert werden, klar zu verurteilen und abzulehnen sind, jedoch trotzdem an der aktuellen US-Vertretung unter Trump bemängelt, dass im Vorfeld der ungeheuerlichen Jerusalem-Abstimmung mit dem Zudrehen von Geldhähnen gedroht wurde, was „undemokratisch“ sei, hehe – der sollte, nur falls noch nicht geschehen, sich auf jeden Fall einmal anschauen, was es sich die USA kosten lässt, diesen Club, in dem Vertreter von Diktaturen den Demokratien laut lärmend auf dem Kopf herumtanzen, zu finanzieren. Nämlich über ein Fünftel des Gesamtbudgets der UN allein in Bezug auf die Pflichtbeiträge, die aber nur so heißen. Letztlich kann jeder entscheiden, wieviel er bezahlt, und dabei liegen viele andere unter dem, was anteilig angebracht wäre. Trump hin oder her, ich würde an deren Stelle den Sicherheitsrat und ein paar sinnvolle Unterorgane finanzieren und für die antisemitische Laberbude UN-Generalversammlung auch den Geldhahn zudrehen. Ganz klar.