Die Flaschenpostinsel

Es gibt mitten auf dem Ozean eine etwas kleine Insel, auf der nur ein Baum steht. Im Frühjahr fahren Bewohner des einige tausend Kilometer entfernten Festlandes mit motorisierten Einbäumen „rüber“ und hängen leere Flaschen an die Äste, dort, wo schon kleine Brieftriebe zu erkennen sind. In den kommenden Wochen wachsen dann Briefe direkt in die Flaschen hinein und werden zu Post. Wenn sie reif (schwer genug) sind, fallen die Flaschen mit den Briefen herunter und rollen in den Ozean, wo sie voll Wasser laufen und untergehen.

Tagtraum: Redeerlaubnis

Im Zug sitzen vier junge Studierende und plaudern über Uni und Wochenendplanung. Da kommt ein Kontrolleur in zivil und sagt: „Guten Tach, darf ich mal ihre Redeerlaubnis sehen?“ Die Studis gucken dumm aus der Wäsche, einer so: „Redeerlaubnis? Sowas gibts doch garnicht. Jeder darf sagen, was er will.“ Da kommt ein zweiter Kontrolleur mit einem Säbelzahntiger (ohne Maulkorb) an der Leine dazu: „Gibts hier ein Problem?“ „Der junge Mann will seine Redeerlaubnis nicht zeigen.“ „Schon gut“, sagt der bleiche STUDI, „ich sag nichts mehr“. Applaus im ganzen Waggon (außer von den Studis).

Blogbuch: Privilegien checken

Im Zug diskutierten zwei ältere Herren mir schräg gegenüber die schnelllebige Zeit; in diesem Zusammenhang teilte einer der beiden mit, dass er jetzt die Möglichkeit habe, mit seinem Tablet-PC auch unterwegs sein Konto zu checken. Launig fragte der andere: „Wird doch wohl noch genug drauf sein?“ Und der eine mit zufrieden-geschmeichelter Miene: „Ich guck mal.“ Und der Witz ist, er guckte wirklich. Dauerte etwa vier Minuten. Um dann dem etwas unbequem sitzenden anderen das Tablet halb hinzuhalten und „genug“ zu sagen. Mir ist dann klar geworden, dass sich gewisse Typen, anders als von mir gelegentlich behauptet, garnicht dagegen wehren, ihre Privilegien zu checken. Sie tun das sogar unterwegs.

Der Mann und die Qualle in dem besonderen Beutel

Ein Mann hat immer eine Qualle dabei, holt sie – teils auch zu unpassender Gelegenheit – aus einem besonderen Beutel, betrachtet die Qualle und sagt dann immer nachdenklich und traurig: „Irgendwann werde ich dich verlieren.“ Warum denn, fragen ihn hin und wieder seine Freunde, die teils Tierköpfe haben. Traurig zuckt er denn immer mit den Schultern und sagt hin und wieder: „Ist eben so.“ Irgendwann macht der Mann sich auf den Weg ans Meer, betritt eine Fähre zu Fuß über den großen Eingang, der eigentlich nur für Autos ist und steht dann später, es ist schon Nacht geworden, an Deck und schaut auf schwarze See hinaus. Da holt er die Qualle aus dem besonderen Beutel, betrachtet sie und sagt wieder: „Irgendwann werde ich dich verlieren.“ Aber: „Heute noch nicht. Jetzt….noch nicht.“ Und tut sie zurück in den besonderen Beutel.