Blogbuch: Abstinenzentscheidung

Habe lange überlegt, ob und wie ich über meinen in diesen Tagen zu Ende gehenden, achtwöchigen Aufenthalt in einer Entwöhnungsklinik schreiben sollte, auf den ich lange gewartet hatte und der u.a. meine Abstinenzentscheidung festigen sollte (was er auch getan hat), konnte mich aber nicht dazu durchringen. Auch zu anderen Dinge aus meinem Leben und meiner Vergangenheit nicht, oder nur indirekt. Es ist eben seltsam. Diese ganz überwiegend wunderbaren Menschen, die hier bei mir lesen oder auch mit mir befreundet sind, von denen ich letztes Jahr auch viele von Angesicht zu Angesicht kennenlernen durfte, sind mir ja irgendwie sehr nah, weil ich einerseits viel aus meinem Leben und Alltag erzähle, aber doch sehr sorgfältig siebe, mehr als mir vor kurzem noch bewusst war. Ich habe lange, eigentlich über viele Jahre, auch schon in Beziehung, ein widersprüchliches Leben mit teils extremer Isolation gelebt, in der ich mich in die Sucht und in zunehmend engmaschigere Depressionen gepowert habe und gleichzeitig bei Wikipedia und später dann hier das gemacht habe, was ich eben gemacht habe ^^ es ist…schwer, sich das eine ohne das andere vorzustellen, was mich interessanterweise zum ersten Menschen macht, der oft ins Internet gegangen ist, weil’s draußen nicht so lief. Aber bevor ich alles ins Lächerliche ziehe: der Preis für das alles war viel zu hoch und ich hätte Probleme lösen müssen, statt vor ihnen zu fliehen. Das gehört in diese Timeline wie all die schönen und positiven Sachen, die auf dieser Flucht entstanden sind. Vielleicht gelingt mir eine bessere Mischung. Und nun, aufgemerkt.

Der klassische Witz

Ein Partytyp, ein Introvertierter und ein Serienmörder treffen sich am Freitag in der Pendlerbahn. Sagt der Partytyp: „Hoch die Hände, Wochenende! Was macht ihr? Ich geh wieder Party machen.“ Sagt der Introvertierte: „Ich werde zuhause lesen und Bilder davon im Internet posten in der Hoffnung, dadurch jemanden kennenzulernen.“ Und der Serienmörder: „Ich lass alles auf mich zukommen, erstmal bisschen entspannen, was kochen, vielleicht später noch jemanden umbringen.“

Blogbuch: Nicht auf den Leim gehen

Ich lese in den letzten Tagen häufig, die Flüchtlingszahlen seien ja schon länger eher niedrig, deshalb seien die CSU-Manöver der Zurückweisung an der Grenze auf Basis von Obergrenzen und sonstigen Plänen, die das Recht auf Asyl (und damit die Pflicht es zu gewährleisten) gezielt in Frage stellen, so besonders absurd. Diese aktuelle argumentative Kampflinie scheint mir äußerst fragwürdig. Nicht nur wegen des Türkeideals, zu dessen Verkommenheit man wohl nicht viel sagen muss. Deutschland sollte, könnte, in meinen Augen muss sogar sehr viel mehr Flüchtende aufnehmen, auch in Zeiten, in denen mehr Menschen hier Schutz und Überleben suchen sollten als jetzt oder in der Vergangenheit, was auf ekelhaft menschenfeindliche Weise als „Flut“, „Ansturm“ usw bezeichnet wurde. Das Land war nur aufgrund mangelhafter Planung und natürlich ungenügendem Willen überfordert. Die Politik hat Angst vor, die Medien richten sich nach dem Teil der hiesigen Bürger, die sich fieberhaft in eine Ausländerfeindlichkeit hineingesteigert haben und die sozial Schwache gegen Flüchtende ausspielen. Das alles gilt es klar und immer wieder zurückzuweisen. Die Forderung muss doch ganz klar sein: Die Politik dieses auf so viele Weisen privilegierten Landes muss Lösungen liefern, auch was den Schutz vor Terrorismus und andere Probleme betrifft, aber auf Basis der Bereitschaft, der Pflicht – wenn man schon nicht in der Lage ist, freiheitliche Werte gemeinsam mit Verbündeten außerhalb Europas gegen Schlächter, Religionsfaschisten und Diktatoren auch militärisch auszufechten – wenigstens sovielen Kriegs- und Terrorflüchtenden wie möglich und nötig zu helfen. Dahinter nicht zurückfallen.

Mal andersherum

Zwei Personen haben ein erstes Date und gehen in ein neues Restaurant, das damit wirbt, dass „es mal andersherum ist“, die Gäste stehen in der Küche und kochen für das Personal. Die beiden sind die einzigen Gäste und „kochen sich einen ab“, um das zwanzigköpfige Personal lecker satt zu bekommen. Das Personal feixt und findet die beiden unheimlich bescheuert. Aber nachdem sie gegessen haben, präsentieren die beiden dem Personal die Rechnung. Alle gucken erstaunt und haben garkein Geld dabei. „Zahlen, Polizei oder spülen“ sagen die beiden. Da muss das Personal bis tief in die Nacht alles wegspülen. Die beiden haben trotzdem irgendwie von allem nichts gehabt und gehen unzufrieden nach Hause (einzeln leider). Am Ende der Geschichte kommt eine bisher unbekannte Person und ruft „hör auf!“ (?!)