Tagtraum: KNAX-CLUB

Tagtraum: Im Briefkasten ist ein Schreiben vom KNAX-CLUB. Die Mitgliedschaft sei schon seit 2001 nicht mehr kostenlos, ich hätte nun Beitragsschulden von mehreren zehntausend Euro. Ich hätte aber auch noch ein altes Sparkonto, das ich wohl vergessen hätte. Auf dem seien auch nochmal 5.000 Mark Disposchulden. Verzweifelt suche und finde ich meine alte KNAX-CLUB-Spardose, in der allerdings auch nochmal 30 Mark Schulden sind.

Aus Sand

Es gibt einen Planeten, der ist ganz mit Sand bedeckt. Es regnet immer neuen Sand und Vulkane spucken Sand aus. Sand von oben und unten. Die Geschöpfe sind auch aus Sand. Ein Wesen geht über das weite Sandland mit einem Sack voller Sand, aus dem es herausrieselt. An einer Sanddiele holt es sich drei Ballen Sand. Seine Erinnerungen und Tränen sind auch aus Sand. Das Wesen hat Sand im Herzen und Sand in den Schuhen. Schließlich läuft es durch seine innere Uhr und ist einfach nicht mehr da.

Idee für einen Werbespot: Yolo

Eine Vorstadtsiedlung mit lauter lichtdurchfluteten Häusern, auf den Straßen sieht man nur schlanke, bald hagere Menschen, die joggen oder Fahrradfahren. Alle strahlen übers ganze Gesicht und durch den Ort hallt pausenlos Keuchen und Lachen. Ein Junge stochert am Tisch in seiner Algenpasta, seine Mutter schiebt ihm mit duchdringend freundlichem Blick ein Glas grünen Smoothie zu. Da sieht er am Fenster einen rundlichen Waschbären, der mit einem Zahnstocher im Mund faul in der Sonne liegt. Heimlich biegt der Junge beim nächsten Familienjogging ab, folgt dem Waschbären in die Stadt und beobachtet, wie eine ganze Bärenbande sich an Junkfoodresten in großen Mülleimern labt. Mit glänzenden Augen kauft der Junge die Produkte nach, deren Verpackungen die Waschbären übriggelassen haben, bereitet sie sich zuhause heimlich zu und spielt hochzufrieden Playstation mit Eistee, Chipsen und Zigaretten, während man im Hintergrund durchs Fenster sieht, wie seine Familie zu einer Segwaytour aufbricht und die Geschwister neidisch zu ihm reingucken. Dann das Logo der Supermarktkette und der Waschbär in Nahaufnahme: „Yolo!“

Blogbuch: Mann im Zug

Ein Mann im Zug – ich möchte ihn kurz beschreiben: Festes Schuhwerk, dunkelblaue Socken, eine etwas zu kurze Jeans, Funktionsjacke, bis oben hin geschlossen, hageres, rasiertes Gesicht, Haupthaare kurz, ein wenig ohne Frisur, vor ihm Rucksack mit Wasserflasche im Netz – dieser Mann also isst mir gegenüber eine Banane. Er hat starke Kieferknochen und kaut schnell und lang. Er schluckt hörbar ab und macht dabei ein etwas leidendes Gesicht – Halsschmerzen. Die Schale der Banane bringt er steifen Schrittes, die Lappen ordentlich übereinandergelegt und einmal gefaltet, nach dem Mülleimer.

Morgen: Der Mann aus dem Zug trinkt hörbar Sprudelwasser, nachdem er die Flasche behutsam mit der nötigen Geduld am Schraubverschluss geöffnet hat.

Blogbuch: Moshammer

Da fällt mir gerade ein, dass ich, als damals Moshammer starb, bei Ebay ein Din-A4-Blatt mit der Kugelschreiberaufschrift „MOOSHAMMER“ versteigerte, es hatte noch einen kleinen, launigen Text in der Auktionsbeschreibung. Das hatte dann plötzlich sehr hohe Zugriffszahlen und geboten wurde auch gut – es hat halt echt einer für 17 Euro gekauft – und ich sollte es in einem A4-Umschlag verschicken und nicht knicken lel. Für die Jüngeren: 17 Euro war damals noch viel Geld. Und ein Typ von Sat.1 hatte geschrieben, dass er einen Bericht für irgendeine Boulevardsendung über den Hype nach Mosis Tod mache und ob ich 2-3 Fragen beantworten wolle. Aber ich hatte die Hosen voll und geantwortet, dass ich Auftritte im Fernsehen generell ablehnen würde und auch aus Respekt vor Mooshammer. Ehrenvoll immerhin.

Liebesgedicht: Meeresgetier

Weißt Du noch in Nizza?
Wir schauten fern
und bestellten uns Meeresgetier.

Weißt Du noch in Bern?
Wir bestellten Meeresgetier
und schauten „Über den Dächern von Nizza“

Weißt Du noch, wie wir Meeresgetier bestellten
und die fluoreszierenden Quallen
unser dunkles Zimmer erhellten?