Die Wettergarben

Menschen sind in der Stadt und sehen, wie der Himmel sich verdunkelt und es rumort und es reisst auf und die Sonne strahlt alles ein. Und die Menschen fahren über ihre Smartphone und posten die Alarme und Radare, als sie sich stöhnend vor Furcht in Gruppen zu Wettergarben zusammenbinden. Da stehen sie, die Körper aneinandergepresst und die Köpfe ähren und werden rot von der Sonne und gewittriger Schwefel strömt aus ihren Mündern. Die Schnüre der Garben schneiden in ihre Fleische und schon bald lesen sie wehklagend das Wetter in ihren Geweiden.

Liste: Deutschland von A bis Z

Angela Merkel hat in der Bild Deutschland buchstabiert…“von A bis Z“. Hier meine Deutschlandliste:

Antisemitismus
Bum Bum Boris
Christbaum
Deutschlandfahne
Endsieg
Faschismus
Goethe
Hitler
Industrie
Judenerinnerung
Kartoffeln
Lanz
Maischberger
Nordsee
Ostsee
Parkplätze
Qualifikationsspiel
Rennauto
Schumi
Til Schweiger
Uns Uwe
Volkswagen
Wagner
X-Hitler
Yogi Löw
Z-Hitler

Blogbuch: Tesla vs Edison

Kürzlich sah ich in einem Spielegeschäft das Brettspiel „Tesla vs. Edison“. Für schlanke 60 Euro kann man sich ein echtes Schmuckstück in den Spieleschrank kloppen oder in einer Glasvitrine oder Etagere placieren, damit es Gäste sehen. Es strahlt irgendwie Kultur (Anzüge, Edison, das alte London oder New York, Übersee da oder) und Bildung aus, damals Strom, wie war das noch, Gleich und Wechsel, Plus und Minus, cum und sine, pro und prae. Schon allein der Name Tesla gehört irgendwie in jede Wohnung wie Ottolenghi und Einaudi. Auch an David Bowie werden manche denken. Dann halt irgendwie Geschichte und Retro, so urig altbacken, damals Glühbirne, Telegramme und Postkutschen, die alte hacienda, Euro-Paletten und Einmachgläser und alles. Also auf jeden Fall KAUFEMPFEHLUNG.

Blogbuch: Jeden Tag genießen

Jeden Tag genießen zu sollen „wie seinen letzten“, scheint mir brutal. Die Hölle ist vieles, aber sicher auch ein Leben unter der steten Last des bevorstehenden Endes. Wenn ein solcher Druck auch noch mutwillig heraufbeschworen wird, hat man es ziemlich sicher mit rastlosen Untoten zu tun, deren Nicht-Erfüllung darin besteht, sich selbst zu etwas zu zwingen, was sie nur spielen können und nie haben. Jeden Tag zu genießen ist gut, aber nicht wie den letzten, sondern wie irgendeinen.

Heute abend kommen die Neumanns

Eine festlich gedeckte Tafel mit einem in die Jahre gekommenen, orientalischen Teppich als Tischdecke, edelsteinernen Trinkpokalen, Fingerschalen und einigem Besteck. Und in der Mitte hockt ein komplett unbehaarter Mandrill, der langsam mit drei rohen, fasanenen Geflügelbeinen jongliert. Am Tisch sitzen sechs Gestalten mit Habichtköpfen, die einander anstarren, jeweils den linken Nachbarn. Von der Decke hängt ein schwerer, irgendwie glatter Wels, dessen grün leuchtende Augen etwas Licht spenden.