Kurz zu „aushalten“

Zu einer antirechten Haltung und was diese im Einzelnen an Handlungen zwingend nötig macht, dazu gibt es keinen gesellschaftlichen Konsens, bis weit in liberale und linke Kreise hinein nicht. Das klassische „Links- und Rechtsextremisten sind gleich schlimm“ liest man bei letzteren freilich weniger häufig, dafür aber immer gerne „andere Meinungen muss man aushalten, so schwer das auch ist“. Das mit dem Aushalten ist aber interessant. Meiner Wahrnehmung nach ist eigentlich genau das Gegenteil der Fall. Wenn jemand – häufig jemand der es sich leisten kann, weil er zur Mehrheitsgesellschaft gehört und nicht ganz oben auf der Abschussliste rechter Menschenfeinde steht – rechte Agitation als Meinung „aushält“, will er in Wahrheit nur seine Ruhe und nicht in die Verlegenheit geraten, eine Haltung zu haben. Eine solche muss man nämlich wirklich aushalten. Man muss den Gegenwind und den Hass aushalten, man muss die Widersprüche kennen und aushalten, die sich im Einsatz für eine pluralistische Gesellschaft gegen deren Gegner auftun. Man muss aushalten können, dass es richtig und falsch gibt. Man muss es aushalten können, rechte Meinungen klar und begründet zurückzuweisen und konkrete Handlungen davon abzuleiten, auch wenn sie wehtun.

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